Gesehen bei Ebay endet am 28. 09. 2002

 

Beschreibung: 10 Groschen Hannover, gestempelt; Michel-Nummer 18. Die Marke hat einen leichten Bug an einer Ecke, ansonsten ist sie gut erhalten. Katalogwert = 1100 €. Porto zahlt Käufer (= 4,40 € für Einschreiben mit Rückschein), Ebay übernehme selbstverständlich ich ...

Hier einen Link auf das Originalangebot

Ich habe mit diesem Artikel ein wenig gewartet, bis die Fakten geklärt waren. Wenn Sie auf das Originalangebot sehen, hier oben steht ja auch noch einmal die Beschreibung, ist die Sache völlig klar. Es geht um eine Altdeutschlandmarke, 10 Groschen Hannover, gestempelt. Die Michelnummer, der Katalogwert laut Michel und die Qualität werden ausführlich beschrieben.

Ich sehe nun das Angebot. Ich sage spontan, diese Marke muss falsch sein. Die Farbe stimmt nicht (lag aber am Scan, siehe weitere Bilder nach dem nächsten Link) und: wie kommt der belgische Roststempel Nr. 4 auf die Hannovermarke. Solche Zufallsentwertungen sind äußerst selten und auf einer so seltenen Marke ist die Wahrscheinlichkeit für Echt etwa 1: 10.000.000 (grob geschätzt).

Ich schreibe also dem Bieter an erster Stelle (die Auktion lief ja noch) einen freundlichen Hinweis: An Mitglied: jr-1962, Von Mitglied: xx, Hallo lieber Bieter, Sie haben ein Gebot auf eine dümmliche Fälschung der Hannover Nr. 18 abgegeben. Der Wert des Müllfetzen ist ca. € 0,10. Ihr Gebot deutlich darüber.

Sie merken schon, damals war ich noch echt verärgert und dachte es wäre ein Einzelfall bei Ebay und ich hätte einen gefährlichen Betrüger entlarvt. Was noch bemerkenswert ist: Mitglied jr-1962 taucht auf dieser Web-Seite, Zufall oder nicht, noch einmal auf. Als Anbieter gefährlicher Fälschungen. Siehe hier. Er hatte sein Gebot auch keineswegs zurückgezogen, sondern mich, kurz vor Ablauf der Auktion, noch einmal überboten. Ich habe dann fünfzig Sekunden vor Auktionsende ein Gebot abgegeben, dass niemand überboten hätte. Warum ich überhaupt mit geboten hatte, folgt später.

An den Anbieter hatte ich natürlich dann auch sofort geschrieben: Hallo lieber Briefmarkenbetrüger, mit Absicht oder grob fahrlässig. Ich werde kurz vor Ablauf der Auktion (ca. 10 Sekunden vorher) ca. € 300 auf das Los bieten. Sie werden mir dann eine Marke liefern, die der Beschreibung entspricht, sobald ich diese dann vom Bundesprüfer als Falsch signiert zurück habe. Viel Spaß beim suchen. Zum Schutz offenbar unwissender Bieter habe ich an den Momentan Höchstbietenden das folgende geschrieben: Hallo lieber Bieter, Sie haben ein Gebot auf eine dümmliche Fälschung der Hannover Nr. 18 abgegeben. Der Wert des Müllfetzen ist ca. € 0,10. Ihr Gebot deutlich darüber.

So weit, so schlecht. Also warum hatte ich nun doch geboten. Nicht weil ich es angedroht hatte, sondern weil ich in der Zwischenzeit zwei Spezialisten befragt hatte. Einer davon, immerhin der zuständige Bundesprüfer. Der erste sagte: kann Echt sein, denn der Stempel sieht echt aus. Der Bundesprüfer sagt: kann ich nicht so sagen. Schicken Sie die Marke her. Jetzt kamen mir doch ernste Zweifel. Immerhin steht in dem Angebot ja auch nicht ohne Obligo oder so etwas. Hier wird eine echte Marke angeboten. Beflügelt hat mich dann auch noch die Aussage, ich könnte mit einem Erlös von gut EURO 2.000,00 für die Marke rechnen. Kurz und gut, als ich mein Gebot abgab, ging ich von der Echtheit der Marke aus.

Ich hatte ja dann auch den Zuschlag bekommen, oder wie es bei Ebay heißt, die "Auktion gewonnen" (also doch eine Lotterie?).

Kurz danach, schreibt mir der erboste Einlieferer:

Sehr geehrter Herr Kraft,

leider habe ich erst heute Ihre Email´s gelesen. Mit Befremden habe ich deren Inhalt zur Kenntnis genommen.
Ich kenne mich selbst wenig mit altdeutschen Briefmarken aus. Die Marke stammt jedoch aus dem Nachlaß eines mir persönlich bekannten Sammlers, der ein Spezialist auf diesem Gebiet war. Unter diesem Aspekt, bin ich persönlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von der Echtheit der Marke überzeugt. Da die angebotene Marke aber nicht geprüft ist, kann ich insoweit naturgemäß keine Garantie übernehmen. (Kommentar Kraft: An ein solches Naturgesetz glauben, heißt das BGB nicht kennen! Im übrigen eine Formulierung, wie sie (ebenso nutzlos) wörtlich von Profi-Betrügern verwendet wird.)
Erlauben Sie mir nachstehend eine Stellungnahme zu Ihrem fragwürdigen Geschäftsverhalten:
Nach meiner Überzeugung ist es keinem Menschen möglich, sich anhand einer Internetseite ein abschließendes Urteil über die Echtheit einer Briefmarke zu bilden (Kommentar Kraft: Wenn der Scan groß genug ist, geht es fast wie am Original). Hiernach stellt sich die wohl berechtigte Frage, ob Ihre dargelegten Absichten betreffend die Fälschungsbekämpfung nicht nur vorgeschoben sind, um - wie geschehen - selbst möglichst billig den Zuschlag im Rahmen der Auktion zu erhalten. (Kommentar Kraft: Um das zu erreichen müsste ich allerdings Hellseher sein. Die meisten Gebote, zumal die richtig Hohen, bei interessanten Stücken, gehen in der letzten Minute ein. Wer will sich schon von des Anbieters Zweitaccount in die Höhe treiben lassen? Ich hätte also die noch nicht bekannten Interessenten angeschrieben haben müssen! Schließlich konnte ich ja keine Warnung beim Angebot platzieren.) Ich hoffe mich in Ihnen zu irren, aber bei Gesamtbetrachtung des Auktionsverlaufs drängt sich hier jedem objektiven Betrachter der Schluß auf, dass Sie durch Ihre Aktivitäten, sowohl den ursprünglich Höchstbietenden als auch mich als Verkäufer arglistig getäuscht haben könnten. Diese Bedenken teilt übrigens auch das eBay-Mitglied "jr-1962" (Kommentar Kraft: das kann ich mir gut vorstellen, ist jr-1962 doch auch ein Freund des anbietens falscher Marken, als ECHT!), welches dies nach Auktionsende mir gegenüber per Email zum Ausdruck gebracht hat. (Kommentar Kraft: jr-1962 wollte mich ja überbieten. er hat es zeitlich aber nicht mehr geschafft! Meinen Dank an die Telefonica für mein superschnelles Highspeed DSL bis 7.048! Davon träumt der Telecom Kunde). Unabhängig von dieser vorläufigen Wertung verbiete ich mir mit Nachdruck Ihre Anrede als "Briefmarkenbetrüger" (Kommentar Kraft: so hart hatte ich es nun wirklich nicht formuliert!).
Was die Kaufabwicklung angeht, bitte ich Sie sich einige Tage zu gedulden. Ich werde die Sache zur juristischen Überprüfung einem befreundeten Staatsanwalt übergeben. (Kommentar Kraft: Wenn Sie Ihren Geschäftspartner einschüchtern wollen, drohen Sie immer mit dem Staatsanwalt. Gut und bewährt!) Sollte dieser meine Bedenken teilen, trage ich mich mit dem Gedanken, Ihre Email´s sowie den Inhalt Ihrer aktuellen Homepage mit einer entsprechenden Stellungnahme an die eBay GmbH weiterzuleiten. (Kommentar Kraft: Wird leider, wie in allen Fällen nichts nützen. Lesen Sie hier weshalb.) Ich bitte insoweit um Ihr - als Kämpfer gegen die Fälschung von Briefmarken sicherlich vorhandes - Verständnis für diese Maßnahme.
Abschließend darf ich Sie darauf hinweisen, dass ich im Rahmen der Auktion bezüglich der Echtheit der Marke keine Eigenschaft i.S.d. § 459 Abs. 2 BGB zugesichert habe. (Kommentar Kraft: Wie bitte? Dann werde ich Betrüger! Das lohnt sich eher!) Nachdem es sich meines Erachtens bei einer gestempelten Briefmarke zweifelsfrei um keinen Gattungskauf gem. § 480 Abs. 1 BGB handelt, steht Ihnen als Käufer das Recht auf Lieferung einer "mangelfreien Sache" nicht zu (Kommentar Kraft: Briefmarkenkäufer merkt auf! Ihr müsst jeden Müll fressen! Ihr habt ja kein Recht auf mangelfreie Lieferung ...). Nehmen Sie im Übrigen zur Kenntnis, dass ich in keinem Falle Ihrem Wunsch nachkommen werde, die Marke direkt an den Bundesprüfer Florian Berger zu versenden. (Kommentar Kraft: Etwas anderes hat auch niemand erwartet) Bitte teilen Sie mir Ihre genaue Anschrift in Deutschland mit. (Abschließender Kommentar Kraft: Ich darf hier keine Rechtsberatung machen. Nur soviel liebe Leser, fragen Sie im Zweifel einen Anwalt Ihres Vertrauens.)
PS: Die in Ihrem letzten Email genannte Adresse in Spanien stimmt nicht mit den bei eBay erfassten Daten überein. (Kommentar Kraft: Falsch, siehe mein Impressum)
Mit freundlichen Grüßen

X X


Hier nun das Ergebnis der Prüfung bei Florian Berger BPP. Marke und alle Stempel sind falsch.

Zum Vergrößern anklicken. Mein Geld habe ich zurück bekommen. Auf Schadensersatz habe ich nicht geklagt. Ich bin ja kein Unmensch.


Nach nun fast genau einem Jahr (10.09.2003), ergänze ich diesen Bericht. Ich hatte damals Ebay als Handelplatz für Briefmarken entdeckt und war ziemlich überrascht davon, dass wohl sogar die Mehrzahl aller besseren Marken die bei Ebay angeboten werden, schlicht falsch sind. Die Quote schwankt natürlich und ich sage einmal bessere Marken sollen die ab € 1.000,- Katalogwert sein. Falls nicht ganz falsch, sind diese auch gerne in jeder möglichen Art verfälscht.

Heute ist mir klar, Ebay kann nicht besser sein, als jeder beliebige Tauschtag. Dort gibt es sogar kompetente Aufsicht, bei Ebay nicht. Ich kämpfe ziemlich alleine auf weiter Flur gegen eine gigantische Flut dubioser Angebote. Heute schreibe ich nur noch selten an einen Anbieter und ich bin auch viel höflicher im Ton geworden. Die hier aufgezeigten, typischen Beispiele behalten jedoch Ihre Gültigkeit und dienen eben exemplarisch, auch ein Jahr später, als wertvolle Muster. Ich habe nun eine Kopie des Originalangebots auf der Seite, bei der ich, hoffentlich alle, persönlichen Daten der Beteiligten durch xxx ersetzt habe.