22.04.10, 15:32:48
roschc
Erni A und B eignen sich m.M. nicht zum Restaurieren von Briefmarken, da die Papierstruktur stark verändert wird. Bspw. werden in vielen Sammelgebieten Marken zwischen gebleichten und ungebleichten Ausgaben unterschieden. Nach einer Erni A+B Behandlung sind alle Marken unnatürlich Kalkweiss. Weiterhin wird eine glatte Papieroberfläche rau und wirkt faserig.
Eine weit bessere und schonendere Methode gelbliche Vergilbungen und Stockflecken (von ungummierten Marken) zu entfernen, möchte ich hier vorstellen. Moderat angewende führt dieser Restaurationsvorgang zu keiner sichtbaren Verfälschung des Ursprungszustands.
Man benötige folgende Zutaten:
1.) 10% Lösung Chloramin-T
2.) 2% Ammoniaklösung
3.) <0,5% Wasserstoffperoixlösung
4.) Destilliertes Wasser
Man kann alles in einer Apotheke bestellen, achten Sie aber auf die Warnhinweise der Chemikalien!!
Vorgehensweise:
a.) Marke in die 10% Lösung Chloramin-T Lösung legen und sofort ganz genau auf Veränderungen beobachten. Nach bereits kurzer Zeit werden die Vergilbungen/Stockflecken sichtbar reduziert. Nicht zu lange warten, sonst tritt eine unnatürliche Bleiche und Papierveränderung ein wie bei Erni! PS: Es gibt noch eine Brutalstmethode durch das hinzufügen von 0,5%iger Essigsäure, damit wird die Bleichleistung ca. 5x stärker (nicht empfehlenswert, nur bei hoffnungslosen Fällen)
b.) Marke entnehmen und für ca. 30 Sek. in der 2% Ammoniaklösung schwenken und das Chlor zu neutralisieren.
c.) Marke kurz ca. 1-2 Min. in die <0,5% Wasserstoffperoixlösung legen um Farben nochmals aufzufrischen. <0,5% ist so schwach, dass nur eine Nuance aufgehellt wird ohne Pigmente oder Farbflächen zu schädigen.
d.) Marke im destillierten Ware ca. 30 min ziehen lassen um alle verbliebenen Salze auszuschwemmen.
Ich füge ein Bild einer Marke an, die auf diese Weise behandelt worden ist. Verbesserungsvorschläge und Kommentare etc. sind herzlich willkommen. Die Verwendung der hier vorgestellten Methode ist natürlich auf eigene Gefahr, für Schäden kann keine Verantwortung übernommen werden :)
In einem anderen Forum habe ich das gleiche Post ebenfalls hinterlassen.
Dateianhang (verkleinert):
Resultat.jpg (380.3 KByte | 23 mal heruntergeladen | 8.54 MByte Traffic)
22.04.10, 16:49:41
philnum
Ehrlich gesagt halte ich von solchem Herumdoktern nicht viel, an meine Marken lasse ich nur Wasser - bleisulfidgeschädigte, oxydierte oder stockfleckige Marken versuche ich durch einwandfreie Exemplare zu ersetzen. Manche Briefmarkenexperten empfehlen Sonnenlicht.
22.04.10, 17:11:14
roschc
Das ist völliger Unsinn was da behauptet wird. Das ging vielleicht ansatzweise in die Richung der Lichtbleiche (das ist aber ein völlig anderes Thema). Der entscheidene kleine aber feine Unterschied ist, dass bei der Lichtbleiche nur Licht zum Einsatz kommt, welches frei von UV(A/B/C) Strahlen ist.
Der Einsatz von Chloramin-T kommt auch bei professionellen Archivaren zum Einsatz. Diese vorgehensweise "Herumdoktern" zu nennen, wäre bei dieser wissenschaftlich erbrobten Methode vielleicht etwas zu grobschlächtig. :)
22.04.10, 17:18:34
Juergen Kraft
Hallo,
der Tipp auf dem Bild ist völliger Quatsch. Alleine das Wort "hängen" erschreckt mich schon. Soll man die Spuren von Wäscheklammern später sehen oder soll die Marke angetackert werden?
Leichte Stockflecke gehen auch in warmem Wasser zurück. Trocknet man die Marke vorher stark aus, z. B. einen Monat mit einem Säckchen Silacagel in eine luftdichte Dose verpackt, können die Pilzreste schon etwas von den Fasern getrennt sein. Eine solche Behandlung schadet auf keinen Fall. Die Marke darf das Silicagel natürlich nicht berühren. Die Druckfarben dürfen nicht wasserempfindlich sein.
H2O2 zwischen 3-10% desinfiziert die Marke auch gegen Pilzbefall. Eine Minute Behandlung führt in der Regel nicht zu Veränderungen des Papiers.
Wie bei allen Experimenten, erst mit billigem Material üben.
Chlorverbindungen waschen die Stockflecke aus. Jeder Stockfleck geht weg. Manchmal aber auch das Papier. Chlorbehandlungen verändern das Papier. Eine leichte Behandlung verändert auch nur leicht. Wer mit Chlor arbeiten will, dem sei gesagt, die Wirkung zieht noch nach. Ist der Stockfleck fast weg, kann man schon mit dem auswaschen des Chlors beginnen.
Vor Chloreinsatz aber erst mit warmem Wasser, dann mit warmem Wasser und Spülmittel (bewährt Fairy Ultra "Blau") versuchen, dann erst H2O2 versuchen. Erst wenn das alles nicht hilft zu Chlor greifen.
22.04.10, 18:35:19
xg1651
In jedem Fall sollten stärker saure Medien gemieden werden, sonst wird klassisches Grün zu strahlendem Blau (Gilt nicht nur für HCl, auch Schwefel oder Essigsäure verändern die Farbe! andere Säuren habe ich noch nicht eingesetzt)Chlortetraamin sollte eigentlich neutral sein.
PS Woher bekommt man 0,5 % ige Essigsäure, Tafelessig hat schon mind. 5 % - selber mixen?