Versuchsstempel des Deutschen Reiches

original Thema anzeigen

 
04.01.09, 02:36:16

Juergen Kraft

Hallo zum Thema Stempel,

ich möchte eine interessante Ganzsache mit einem Gitterversuchsstempel vorstellen. In der Zeit vom 15. 8. 1888 bis 25. 6. 1890 wurde der Gitterstempel im größeren Format, getestet. Insgesamt 14 Stempel sind im Michel Stempelhandbuch II. Teil gelistet. Davon ist einer noch nicht belegt und bei vier anderen fehlen noch frühe Daten. Eventuell hat ja jemand einen Anschlag von

FRIEDRICHRODA * * *, 9 Gitterstäbe
GIEBICHENSTEIN * * *, 12 Gitterstäbe
BARMEN-WICHLINGSHASUSEN, 9 Gitterstäbe
jeweils 29 mm Durchmesser, aus der oben genannten Periode.

Der vierte Stempel ist SONDERSHAUSEN * 1 a, oben eventuell 12 Gitterstäbe unten wohl 11. Im Michel mit 11 Stäben abgebildet. Scheinbar lag kein Original vor. Kein Problem, wir haben eines. Lediglich frühere Abschläge des Stempels werden gesucht.

Hier ein Bild der Ganzsache mit dem Stempel



Die Ganzsache ging an den Inspektor (das war wohl der Chef) eines Waisenhauses und immer wurden ihm Kinder als brav, leicht erziehbar, usw. dringend angeboten. Deshalb wurde auch hier die Form der Eilzustellung gewählt. Normalerweise schreibt man so etwas in einen Brief. Hier war wohl der Etat knapp bemessen. So hat es nur zu einer Postkarte gereicht. Postkarten per Eilzustellung sind seltener als Briefe per Eilzustellung. In Städten war das Porto dafür 25 Pf., auf dem Land wurde es schnell viel teurer. Höxter war eine Stadt, also 25 Pf. für die Eilzustellung. Die Marke, eine 49a, war im Jahr 1893 schon nicht mehr so häufig und wird im Michel zum doppelten Preis bewertet. Die Farben der Krone/Adlermarken werden wir in einem neuen Beitrag später einmal ausführlich vorstellen.

So haben wir auf jeden Fall bei diesem Beleg einen seltenen Versuchsstempel, eine wenig benutzte Versendungsart und Portostufe und eine zur der Zeit nicht mehr häufige Briefmarke.

Als die Versuchsperiode abgeschlossen war, gab es weitere Stempel in dieser Art und Form. Die genaue Bezeichnung Gitter-Normstempel im größeren Format Typ VI/10/1 Gi. gr., Übergroße Ortsbezeichnungen, listet genau einen Stempel. Es ist nicht nur genau ein Stempel, er hat auch genau 12 breite Gitterstäbe.

Es ist der Stempel NEUBRANDENBURG * (MECKLB.) b, der im Michel als zwei Typen geführt wird, weil er später (ca. 1905) überarbeitet wurde und danach feinere Abschläge produzierte. Im Bild der seltene Stempel auf einer seltenen Marke in selten guter Erhaltung und ... da war doch noch was? Der Postort ist einer von nur einem Dutzend Postorten des altdeutschen Staates Mecklenburg-Strelitz.



Erst einmal könnte man denken, so einen Stempel hat man massenhaft im Lagerbuch stecken. Dann sollte man erst einmal messen. Sind es 29.5 mm? Dann sollte man die Gitter zählen. 12 breite Stäbe? Wo man nicht diskutieren kann, übergroße Ortsbezeichnungen bei dieser Stempeltype gibt es eben nur eine einzige. Siehe Bild oben.

Nun könnte man denken, so ein Stück wird sicher falsch sein. Richtig! Also sehen wir uns das Attest an:



So ein Attest wird ja auch gefälscht und könnte falsch sein. Was tun? Ganz einfach, wir holen die Lupe heraus und schauen nach der Mikroschrift. Jetzt werden viele fragen, was das sein soll. Gesehen hat man die Schrift oft noch nicht. Deshalb hier im Bild:



Was aussieht wie zwei Linien ist in Wahrheit eine Linie und eine Reihe von wirklich ganz kleinen Buchstaben. Die Vergrößerung zeigt die Ecke unten rechts aus der Abbildung darüber. Soviel zum Thema, "woran erkennt man ob ein BPP Fotoattest echt ist".

Wo wir gerade auf eine 5 Mark Reichspost schauen, könnten wir noch kurz die Merkmale der Type II ansehen.

Im Michel ist es auch erklärt, aber nicht mit so schönen Farbbildern. Deshalb hier der Herr rechts unten aus der üppigen Personenstaffage mit alten Männern, die wie 85 aussehen, aber erst 55 sind. Dieser Herr, der Minister von Boetticher hat auf der Type II ein Ohr. Auf allen anderen Typen nicht. Einer seiner Nachfahren ist in Schleswig-Holstein der Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher. Es hilft offenbar, Vorfahren auf Briefmarken abgebildet zu haben.



Sollte das Ohr bestempelt sein, ist es auch nicht so schlimm. Die "5" links oben ist bei allen Typen links stumpf, nur bei Type II ist die Ecke spitz.

Hier ein Bild einer Type I Marke mit stumpfer "5" links und rechts Type II mit spitzer "5"



Hier noch das Ohr bei Type I

05.01.09, 13:02:56

siegfried spiegel

geändert von: siegfried spiegel - 05.01.09, 15:57:38

Hallo Jürgen,
ist das auch so ein Versuchsgitterstempel? Weimar liegt ja auch in der Ecke, der Zeitrahmen passt auch.
Und wieso kriegt Ihr die Bilder so schön und groß rein und ich nicht?

http://stampsx.com/foto_service/6158-1231167091-scantest.jpg

Dateianhang:

 Weimar.jpg (102.98 KByte | 8 mal heruntergeladen | 823.88 KByte Traffic)

05.01.09, 15:36:12

Juergen Kraft

Hallo Siegfried,

Gitterstempel auf Pfennig ist generell gut. Die Marke mit Datum 2. 1. 1889 würde ich mit 50,- € Zuschlag für den Stempel ansetzen. Der Stempel ist ein VI/2/10 Gi.Vs. mit unten * a, also nur zwei Zeichen. Bis auf den LISSA Stempel (heute Polen, interessiert keinen wirklich), der beste Stempel! Glückwunsch!

Zu dem großen Bild üben wir jetzt gemeinsam. Scanne die Marke mit 1200 DPI und speichere als JPG 85%. Dann logge dich bei stampsX.com ein. Dafür muss du bei stampsx angemeldet sein. Die Anmeldung für das Forum ist eine andere.

Dann gehst du zu Fotoservice Seite und lädst das Bild hoch.

Da bekommst du eine Adresse gemeldet. Die schreibst du mir hier als Antwort und ich erkläre wie man die Adresse einbaut. Ich kann dann das Bild auch für die Stempeldatenbank nehmen.
05.01.09, 16:04:17

siegfried spiegel

http://stampsx.com/foto_service/6158-1231167091-scantest.jpg

05.01.09, 16:46:57

Joerg

Und so könnte das dann aussehen:



Dazu musst Du beim Beitrag-Schreiben in der "Icon-Zeile" den Knopf links neben dem Smiley (Stempel??) drücken und dann im geöffneten Script-Fenster die Bildadresse reinkopieren (also die Adresse, aus der Dein letzter Beitrag besteht).

Hoffentlich hilft's weiter ..
05.01.09, 17:02:10

Juergen Kraft

Hallo,

der Test zeigt jetzt die richtige Größe für die Stempeldatenbank. Für das Forum ist 600 Pixel breit auch OK. Am Besten für die Stempeldatenbank 1200 DPI Scans hochladen oder 1500 Pixel maximale Kantenlänge und für das Forum 600 Pixel breit. Bei Querformatbriefen ist der Dateianhang nicht so schlecht. Der zwigt eine kleine Vorschau und beim Klicken dann das größere Bild.

Also auch hier noch einmal die Gebrauchsanleitung:

Wenn man den Button links vom Smilie drückt, erscheint ein Fenster. Da kommt genau die Adresse aus dem Foto-Service rein.

Hier als Bild, wie du es sehen müsstest:

05.01.09, 18:58:56

siegfried spiegel

Hallo Jürgen,
1)in Bayern wird in Millimeter gemessen und nicht in Pixel!
2)mein Scannerverarbeitungsprogramm kann keine 85% machen sondern nur von hoch bis niedrig, bzw von 1 bis 12
3) ich machs ja die ganze Zeit schon so ähnlich.
4) die Zähne von der Marke sind unten rechts abgeschnitten.

Ich probiers mal.
Gruss Siegfried
06.10.09, 20:24:06

Juergen Kraft

Hallo zu den Versuchsstempeln der OPDen Erfurt und Kassel.

An anderer Stelle im Forum haben wir schon einige der hübschen Pfannstielstempel (ca. 1870/1899) vorgestellt. Im Michel Stempelhandbuch Teil II sind diese als II/8/I EA gelistet. Eines der Merkmale ist ein Durchmesser um 26 mm.

Nun gibt es von Grossalmerode einen 21 mm Stempel, der gerne auch von Spezialisten als Thurn und Taxisstempel bezeichnet wird. Da jedoch alles abweicht, auch jeder Buchstabe des Ortsnamens und die Typen so aussehen, wie bei dem oben genannten Typ, nehme ich eher an, dass es sich um einen einmaligen Versuch handelt. Ist der nachfolgende Stempel irgendwo gelistet?





07.10.09, 19:14:31

woermanseder

Anbei auch ein Gitterstempelleckerbissen! ;)
Dateianhang:

 gibraltar.jpg (80.87 KByte | 12 mal heruntergeladen | 970.39 KByte Traffic)

07.10.09, 20:35:10

Juergen Kraft

Hallo woermaneder,

ein sehr schöner Brief mit einem sehr frühen Abschlag des Gitterstempels * 1 *. Hast du einen großen Scan nur vom Stempel? Es wäre toll für die Stempeldatenbank. Einen früheren Stempel werden wir so schnell nicht finden, obwohl es welche aus September 1888 geben müsste.
 
 
Powered by: phpMyForum 4.1.4 © Christoph Roeder