Briefmarken.AG


Thema: Prüfungen von digitalen Bildern

(jk 14.09.2003) Der Laie ist eventuell verblüfft, dass sich Briefmarken an Hand von Scans prüfen lassen. Auf anderen Seiten dieser Internetzeitung finden sich viele Beispiele für solche Prüfungen. Teilweise sind die Scan winzig und dazu noch unscharf. Wie kann das also gehen.

Vorneweg: zeigt ein Scan alle Echtheitsmerkmale kann man das nicht als Grundlage eines Attestes nehmen. Man kann lediglich befinden, dass auf dem Scan alles Echt aussieht. Weshalb man keine definitive Bestätigung geben kann ist völlig klar. Der Scan könnte zum Beispiel das Foto einer echten Briefmarke sein. Dann würde natürlich alles echt aussehen.

Also kommen wir zu den Fälschungen! Es gibt natürlich eine breite Palette von Fälschungsmöglichkeiten. Betrachten wir die Hauptgruppen:

1. Ganzfälschung - Beispiele, die auf diesen Seiten vorgestellten Schleswig-Holstein Fälschungen

1.1 Neudrucke - Beispiele, die auf diesen Seiten gezeigten Helgolandneudrucke
1.2. Nachdrucke - Private Nachdrucke, eben einfach Ganzfälschungen, eventuell auch einmal von echten Platten, siehe Michelkatalog

2. Stempelfälschung - Extrem häufig bei allen Marken aus der Inflationszeit (1920-1923) und natürlich bei allen Marken, die gestempelt teurer sind als eine gleiche Marke ohne Gummi. Das betrifft Thurn und Taxis genauso, wie Bundesrepublik Deutschland bis etwa 1964.

3. Gummifälschung - von der Klassik bis zur Modernen

4. Stempel Entfernungen - für alle Marken die ungebraucht viel seltener sind als gestempelt. Nicht nur der Posthornsatz der Bundesrepublik ist betroffen auch viele klassische Marken. Bei der Bayern Nr. 1 war ein Federzug vorgeschrieben, der ist aber heute wertmindernd. Die Folge: jede Menge entfernte Federzüge.

5. Verfälschungen

5.1 Umprägungen - Brustschildausgaben des Deutschen Reiches, mal kleiner Schild, mal Großer.
5.2. Falsche Zähnung - Jeder kurze Zahn stört, hier wird Abhilfe geschaffen.
5.3. Abgeschnittene Zähnung - bei vielen klassischen Marken gab es Ausgaben mit und ohne Zähnung. Bestes Beispiel: Hamburg Nr. 1. Bei Ebay 10 Marken mit abgeschnittener Zähnung auf eine echte Nr. 1!
5.4 Verfärbungen - Nicht so häufig, aber gerne wird eine bessere Farbe im Katalog entdeckt. Nicht so gefährlich, es glaubt ohnehin niemand.

Alle Fälschungen haben eines Gemeinsam: an einem echten Stück ist alles echt, an einem Falschen alles falsch. Klingt logisch und führt dazu, dass eine Fälschung für den Fachmann leicht zu erkennen ist. Wer wird Fachmann? Man braucht genügend echtes Vergleichsmaterial. Hat man von einem Stempel 100 Stück aus verschiedenen Zeiten (siehe Rötzprovisorien als Beispiel) kann man nicht nur leicht erkennen, ob das Klischee stimmt, sondern auch, ob die Stempelfarbe passt.

Zurück zum Thema: Stimmt also das Stempelklischee nicht (falsche Größe, falsche Typen) ist die Fälschung kinderleicht zu erkennen. Dazu ist auch die Stempelfarbe falsch, zumindest zur falschen Zeit abgeschlagen. Merke: beim falschen Stück ist alles falsch, von ganz wenige Ausnahmen abgesehen. Beispiel: ein Fälscher besitzt echte Stempelfarbe und einen falschen Stempel oder einen echten Stempel und andere Stempelfarbe. Helgolandneudrucke erkennt man leicht an den anderen Farben und den kleineren Zähnungslöchern, Ganzfälschungen immer an der abweichenden Zeichnung. Dann ist es ja so, dass es jede Menge Literatur gibt. In dieser sind die Fälschungen haarklein dargestellt. Selbst auf einem kleinen Scan kann der Fachmann zum Beispiel eine echte klassische Briefmarke von einer hervorragenden Speratifälschung unterscheiden, die viele Jahre von Fachleuten als echt geprüft wurden, weil sie so gut waren. Heute stehen die Merkmale in der Literatur und die Erkennung ist auch Laien möglich, wenn man die Literatur kennt und hat!

Zu guter Letzt: studieren Sie die Beispiele auf diesen Seiten. An Hand der Abbildungen können Sie leicht nachvollziehen, wie einfach die betreffenden Fälschungen zu erkennen waren.