Aus gegebenem Anlass führe ich nun diese neue Rubrik ein

Täglich, Pardon für diesen Ausdruck aus der Welt der Fäkalien, es passt aber kein anderer Begriff, sollen Kaufinteressenten im Internet verarscht werden oder bemüht sich der Anbieter redlich, sich selbst zu verarschen.

Ich will nun jede Woche einen Award vergeben für das beste Beispiel aus dieser Rubrik. Grafisch begabte Kreative werden hiermit aufgefordert, Vorschläge für einen schönen Preis in Form einer kleinen Grafik, ca. 100x120 Pixel einzusenden. Auch der Arbeitsname "Gruselaward" scheint noch Verbesserungsfähig.


Der Gruselaward für die Woche vom 21. 10. - 27. 10. 2002

Anwärter für die Woche ab 28. 10. siehe hier.

Der Gruselaward (in Bronze) für diese Woche geht an das Ebaymitglied: themasterofpc

Also lieber "The Master of PC", weshalb hast du diesen Preis ehrlich verdient?

Du hast es geschafft mit deiner realsatirischen Beschreibung einen Tag vor Angebotsende 29 Bieter in einer Privatauktion zum Bieten zu veranlassen, obwohl aus Bild und Beschreibung hervor geht, dass du weder weißt wovon du schreibst, noch das Angebot die Ebay Einstellgebühren Wert ist.

Ein besonderer Verdienst gebührt den 29 Bietern, die sich so fröhlich verarschen lassen und nun bei EURO 43,20 angekommen sind (Stand: 13 Stunden vor Auktionsende). Das ist ein einsamer Rekord der einen Preis verdient hat. Auch die satirischen Einlagen wie: "Die Versandkosten betragen 4,20 € (versichert)" - seit wann muss man Müll versichern? Oder: "Der reelle Wert dürfte aber im ???? Bereich liegen" - soll ja wohl heißen EURO 9999,99 !!!  Er vergisst aber auch nicht den wichtigsten Satirebeitrag: "Viel Spaß beim Bieten" - Hahaha, haben wir wieder einen Spaß gehabt, beim Bieten!

Also: der Preis ist echt verdient! Dank sei dir an dieser Stelle für diesen herrlichen Beitrag. Die Awardgrafik wird nachgeliefert. Die kannst du bei zukünftigen Angeboten mit auf deine Seite machen!

Hier wollen wir nun dein Angebot vorstellen

Hier der Originaltext bei Ebay:

Deutsches Reich 1M, 2M, 5M Wert: ???? €

Reichspostamt Berlin, Nord & Süd, Reichsgründungsgedenkfeier (postfrisch und gestempelt) Die Briefmarken sind in guter bzw. spitzenemäßiger Erhaltung (siehe Scan.)
Ich habe mal im Katalog den minimalsten Wert berechnet, der bei 345 € liegt.
Der reelle Wert dürfte aber im ???? Bereich liegen, da ich die Wasserzeichen und die Farben oder sonstige besonderen Merkmale nicht berücksichtigt habe. Die Versandkosten betragen 4,20 € (versichert) die ebay - Kosten trage selbstverständlich ich.

Viel Spaß beim Bieten

Ein Angebot aus offensichtlich 5 Raritäten in spitzenmäßiger Erhaltung mit einem Wert von EURO 345,00! Aber Hallo! Da muss man doch gierig werden!

Ja was haben wir denn da? Wer bis 25 zählen kann (die Löcher zwischen den Zähnen) kann es schon (auch wegen des superguten Scans) heraus bekommen. Es ist eine 97B II mit umgeknickter Ecke unten rechts. Katalogwert für ungebraucht EURO 2,50. Der große Meister des PC hat ja nur die billigste Sorte gerechnet! Damit haben wir schon einen Spitzenwert erkannt.

Es gibt aber noch vier weitere Großraritäten. Schauen wir mal:

Auch dieses Stück ist ein so genannter Kriegsdruck. Auch für Laien leicht zu erkennen, wenn man bis 25 zählen kann. Auch das Datum "1920" hilft weiter, wenn man in Geschichte aufgepasst hat. Dieser eckrunde Knochen hat Stockflecke und oben, quer über die rechte Hälfte der Marke einen scharfen Knick. Ein Stück für die Mülltonne - oder eben ein Auktionsschnäppchen. Der Katalogwert für eine ganze Marke wäre EURO 6,00

Wir zählen online zusammen, bisher EURO 8,50

Hier haben wir 94 B II. Oben in der Mitte fehlt ein Zahn. Marken mit Zähnen stehen mit EURO 3,00 im Michel.
Ein weiteres, stockfleckiges Wrack, dass nur mit Mühe dem Mülleimer entronnen ist. Katalogwert für ganze Marken EURO 1,80. Insgesamt haben wir also schon EURO 13,30 zusammen. Das sind ja schon fast EURO 345,00
Bei diesem Stück war der Meister des PC vor eine wirklich schwere geistige Hürde gestellt. Diese Marke hat nämlich 26 Löcher Quer. Also führt das zwangsläufig zu der Analyse: 94 A II Michelwert EURO 150,00! Wau das ist es doch!

Leider nein! Ein Blick auf den Stempel gibt Aufschluss. Da steht doch tatsächlich 14. 8. 15. Vorgenannte Marke erschien aber erst 1916. Was nun? Eine Seite vorher finden wir 94 A I. Hat 26:17 Löcher und erschien vor 1915. Und, verdammisch, steht nur EURO 3,00 im Katalog! Ein Wort noch zur spitzenmäßigen Erhaltung: hier sind die Zähne bis ins Fleisch der Marke herausgerissen. Diese Marke hat keinen Wert. Auch nicht einen Cent!

Das amtliche Endergebnis: der volle Michelwert für ganze Marken wäre EURO 16,30.
Das wäre auch der Preis für wirklich die billigste Sorte im Katalog gewesen. Nur hätte dann niemand EURO 43,20 geboten.

Als realen Tauschwert, Michel gegen Michel, würde ich als Schlichter auf einem Tauschtag Michel 5,00 EURO ansetzen. Der Barwert ist entsprechend etwa 1,00 EURO.

Unabhängig von dieser Preisverleihung, stellt sich nun die Frage, was ist nun mit dem Käufer, der für dieses Häuflein Müll an oder auch noch mehr als EURO 50,00 bezahlt. Das sind um DM 100,00!

Natürlich hat der ein Rückgaberecht! Was ist aber mit dem Einlieferer/Anbieter? Falls der wusste was er tat, ist es ein vollendeter Betrugsversuch, vielleicht wird es auch noch zum fertigen Betrug, wenn die Anwicklung glatt durchläuft. Bei Betrug ist auch der Versuch strafbar.

Besser wäre es die Auktion abzubrechen oder einen Nachsatz zu verfassen mit dem Text: Der minimalste Katalogwert ist nicht EURO 345,00 sondern EURO 16,30. bedenkt das beim bieten!

Wir berichten Morgen, wie die Auktion ausging! Bei über EURO 75,00 gibt es den silbernen Gruselaward und bei über EURO 100,00 sollten wir den goldenen aus dem Schrank holen!

Das Endergebnis steht fest: Die Auktion wurde storniert. Der Bronze Award bleibt natürlich.