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(Administrator)

Hallo liebe Teilnehmer,

herzlich willkommen in diesem neuen Thema.

Versucht beim Schreiben immer sachlich zu bleiben. Drückt euch klar aus, damit jeder Leser versteht, ob ihr Fachwissen teilt oder eure Meinung zu einem Thema sagt.

Verzichtet auf Kommentare über andere Teilnehmer. Kommentiert gerne die Aussagen anderer. Wir wollen über Philatelie diskutieren und nicht über Philatelisten freuen

Wir wünschen viel Freude am Hobby Philatelie!
27.09.09, 14:24:58

hesselbach

(Mitglied)

Ich sammele * und **, der Zustand der Rückseite ist mir eigentlich egal. Ich habe mir aber jetzt eine Sammlung gekauft bei denen der Falz äußerst knapp am Rand aufgeklebt wurde.

Es stört mich schon etwas, immer diese Falze über den Rand stehen zu sehen.

In älteren Briefmarken-Zeitung haben immer wieder mal diverse Handwerker ihr Können angeboten.

Meine Frage: hat jemand schon Erfahrungen mit diesen Dienstleistern? Beherrschen sie ihr Handwerk?

Thomas

27.09.09, 14:25:58

philnum

(Mitglied)

Hallo Thomas,

vor vielen Jahren habe ich mal aus jugendlicher Neugierde und um die Ergebnisse professioneller Entfalzungen/Nachgummierungen zu sehen, drei verschiedene der damals tätigen Anbieter mit kostenlosen Probeaufträgen getestet (dafür wurde damals noch regelmäßig in Inseraten fast aller Fachzeitschriften geworben; als Anzeigenkunden wurden sie dann von einigen Herausgebern irgendwann boykottiert, da ihre Praktiken zum Schaden der Sammler sind).

Viele dieser zumeist sehr kleinen Betriebe dürften im allgemeinen Abwärtsstrudel der Briefmarkenbranche längst vom Markt verschwunden sein, da solche Arbeiten angesichts des Preisverfalls von postfrischen Marken wohl nur noch in Ausnahmefällen - wie bei Posthorn-Sätzen und ** vergleichbar teuren Ausgaben - wirklich lohnen. Pro Marke wird je nach Aufwand ab € 2,- aufwärts berechnet.

Die Arbeiten selbst wurden durchweg sehr sauber ausgeführt und die Entfalzung/Nachgummierung ist von Laien und durchschnittlichen Sammlern sicherlich nicht ohne Weiteres (nicht jedermann zur Verfügung stehende Hilfsmittel wie Quarzlampe, Vergleichsstücke etc.) feststellbar: Die Zahnspitzen bleiben weich (stümperhafte Nachgummierungen sind an verkleisterten Zähnen zu entlarven), unterschiedliche Gummitöne können genauso imitiert werden wie originale Gummiriffelungen.

Beste Sammlergrüße

philnum
27.09.09, 17:51:39

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

solche von vorne sichtbaren Falze stören natürlich wirklich. Ob das Ergebnis einer Entfalzung sauber aussieht hängt von vielen Faktoren ab. Natürlich auch, von dem der es macht.

Prinzipiell gibt es zwei Methoden, den Falz zu entfernen. Einmal wird die Marke so hoher Feuchtigkeit ausgesetzt, dass sich der Falz vom verfüssigten Gummi abziehen lässt. Das hinterlässt meist zerlaufen aussehenden Gummi und weniger Gummiauftrag an der Stelle, wo der Falz saß. Zum Anderen kann man Falze mechanisch abhobeln. Das Ergebnis ist meist besser, der Aufwand ist aber größer.

Deshalb wird meist komplett nachgummiert. Das mindert den finanziellen Wert etwas und den philatelistischen Wert stark.

Die Gummiveränderungen sind am Original mit Hilfe von Vergleichsmaterial leicht erkennbar. Auch gute mechanische Entfalzungen hinterlassen Spuren, die man unter starker Vergrößerung, am Besten bei schräg einfallendem Licht, einfach erkennen kann.

Vollständige Nachgummierungen erkennt man sogar an Rückseitenscans ab 1200 DPI Auflösung. Schlechte Nachgummierungen sind selbst bildseitig bei 300 DPI zu erkennen.

Bei vielen Druckverfahren (Stichtiefdruck, Buchdruck) prägt sich der Druck bis in den Gummi ein. Das wird zwar auch imitiert und geht zumindest bei Buchdruck, aber die Fälscher arbeiten in der Regel nicht so genau. Auch hier sollen keine Prüfer überzeugt werden, sondern ahnungslose Laien.

Eine wesentliche Erleichterung zur Erkennung ist auch das Wissen um die Reihenfolge der Herstellung. Das gummierte Papier wird bedruckt (der Druck hinterlässt also Spuren auch im Gummi) und das gummierte Papier wird perforiert. Die Kanten der Zähnungslöcher sind also 100% gummifrei. Das bekommt auch kein noch so aufmerksamer Zähnefeiler hin. Im Gegenteil. Oft wird der Bereich einfach abgedeckt und die Marken sind nicht bis zu genau zu der Kante gummiert.

Alle modernen Marken die in der beschriebenen Reihenfolge hergestellt wurden (das sind, nach Stückzahl, fast alle Briefmarken nach 1900), lassen sich so unter einem Mikroskop mit ca. 10-20facher Vergrößerung und variabler Beleuchtung, erfolgreich auf falschen Gummi prüfen. Das geht sogar ohne Vergleichsmaterial. Für Marken aus Notzeiten (Spargummi, hinterher gummiert usw.) braucht man zusätzlich Vergleichsmaterial.

Meist tut es auch eine 10fach-Lupe und eine Schreibtischlampe. Also alles halb so wild ...

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

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27.09.09, 22:12:59

gamueX

(Mitglied)

Hallo, weiß jemand wie man diese dunkelbraunen Fettfalze oder alte Tesafilmspuren bei einem Brief wenigstens teilweise wegbekommen kann? Danke, HG
24.12.10, 10:28:23

drmoeller_neuss

(Mitglied)

geändert von: drmoeller_neuss - 24.12.10, 11:53:42

Zitat von gamueX:
Hallo, weiß jemand wie man diese dunkelbraunen Fettfalze oder alte Tesafilmspuren bei einem Brief wenigstens teilweise wegbekommen kann? Danke, HG


Du kannst es mit einen Lösungsmittel versuchen, z.B. Benzin (aus der Apotheke oder Drogerie, Autobenzin ist wegen des Gehaltes an Benzol sehr giftig), oder noch einfacher, Nitroverdünner (Pinselreiniger) aus dem Baumarkt. Hier wird man auch nicht gleich als Terrorist beim Einkauf verdächtigt (Apotheken fragen schon mal strenger nach).

Oberstes Gebot: sparsam damit umgehen! Keinesfalls den Beleg darin baden. Mit einem Lappen sparsam die befallenen Stellen betupfen und sehen, wie sich der Beleg verhält. Da er ohnehin schon ruiniert ist, kannst Du nicht viel kaputt machen.
Mit den gleichen Lösungsmittel lassen sich auch gut selbstklebende Marken ablösen. Einfach von der Rückseite das Trägerpapier betupfen, nach einiger Zeit lässt sich die Marke vorsichtig abziehen. Ggf. Kleberreste vorsichtig abreiben bzw. mit einem stumpfen Messer abschaben. Am besten übt man so etwas an billigen Marken, die Deutsche Post hat ja genügend davon.

Nächstes oberstes Gebot: Gebrauchsanweisung beachten ! Am besten mit Schutzhandschuhen (Haushaltshandschuhe) und im Freien arbeiten. Dabei nicht rauchen und auch keine Kerzen und alles andere offene Licht in der Nähe. Sonst stellt sich die Frage nach dem Beleg vielleicht gar nicht mehr, bzw. die Versicherung stellt andere Fragen. geschockt
24.12.10, 11:51:45

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo gamueX,

ich möchte noch etwas ergänzen. Pinselreiniger entfernt auch die meisten Druckfarben. Auch eingefärbte Papiere, wie viele Briefumschläge, dürften sich verfärben. Das Ergebnis wird nicht befriedigend sein.

Wer einen wertvollen Beleg hat, kann mich einzeln anschreiben und mir einen Scan zeigen. Je nach Zustand kann ich eventuell eine fachgerechte Restaurierung anbieten.

Sinnvolle Maßnahmen hängen vom individuellen Zustand ab. Ist Tesafilm über eine Marke geklebt, wird das Ergebnis weniger gut sein, als wenn nur der Umschlag betroffen ist. Wäre die Marke noch Wasser oder Benzin empfindlich, sind die Chancen sehr schlecht. Umgekehrt sind Briefe mit robusten Marken (davon gibt es sehr viele) und mit nur verdorbenem Umschlag, bzw. Briefpapier betroffen, kann das Ergebnis sehr gut werden.

Der Tipp, einzelne Bereiche zu betupfen oder zu bepinseln, kann natürlich ausprobiert werden. Das Ergebnis wird bei fast allen Belegen sein, das statt Fettspuren andere Flecke entstehen werden. Alle Tipps, Ganzstücke irgendwie einzeln zu behandeln, ohne das diese komplett gewässert werden, stammen in der Regel von Laien, die es nie praktisch versucht haben. Natürlich kann ich Bleistiftspuren einzeln wegradieren. Ich kann anhaftende Gummibandreste oder Kaugummi abkratzen, aber zum Beispiel keinen Bleisulfidschaden rückgängig machen.

Ich habe hier Beispiele gezeigt, wie ich Litho-Karten, Briefe oder Marken restauriert habe. Was man an Behandlung machen kann, ist aber zu individuell, um hier eine Gebrauchsanleitung zu veröffentlichen.

Gerne erwarte ich aber "Vorher-Nachher" Bilder eines Bleisulfidschadens auf Brief, ohne die Marke abgelöst zu haben und wieder zu befestigt. Wir werden hier kein Bild sehen, auf dem das ohne hässliche Flecke abgeht.

In einem anderen Forum wurde schon einmal der Tipp gegeben, man könne Wasserzeichen in Nitroverdünnung erkennen. Das geht natürlich nicht und man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Marke zerstören.

Ich möchte das Wort Nitroverdünnung nicht auf den Index setzen und bitte daher nur im Rahmen von Hardcore-Mutproben solche Experimente zu machen. Denkt daran, dass die Feuerwehr über die Feiertage immer besonders ausgelastet ist.

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

Liste der Sonderzeichen zum Einkopieren

24.12.10, 16:35:13

xg1651

(Mitglied)

geändert von: xg1651 - 24.12.10, 23:49:38

Ich halte dagegen, man erkennt sicher das Wasserzeichen in Nitroverdünnung!( wie auch in wässriger Lösung, Benzin, Aceton und nahezu allen Lösungsmitteln)
Ob es der Briefmarke insgesamt gut-tut,wage ich aber zu bezweifeln.
Bei vielen klassischen Marken dürfte Wasserzeichenpapier ohne Aufdruck übrig bleiben
24.12.10, 23:47:28

Stanley

(Mitglied)

geändert von: Stanley - 10.04.14, 16:33:07

Da in meinem Sammelgebiet es viele Marken mit Falz gibt habe ich folgendes Problem. Ich möchte die Falze entfernen ohne den restlichen Gummi zu zerstören. Gibt es da eine einfache Hausmethode?
10.04.14, 16:32:44

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

die einfachen Methoden schaden den Marken. Gute Entfalzung ist Handwerkskunst. Wie es geht, steht im meinem Ratgeber https://www.stampsx.com/ratgeber/ratgeber-entfalzen.php

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

Liste der Sonderzeichen zum Einkopieren

10.04.14, 16:50:17
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