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servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 15.08.26, 15:13:33

Moin,

jetzt habe ich mir die Bilder der bekannten
Prüfungen der 72c ausreichend oft angeschaut
und konnte eigentlich alles recht genau den einzelnen Polygonen zuordnen,
habe auch erkannt, warum diese entsprechend geprüft wurden.

Ja, was ist denn nu’ mit unserer Germania?
Siehe Photo... freuen

Alle sogenannten Übergangspapiere, also alles mit schlechter Kalandrierung, mit und ohne Füllstoffe, diese ohne UV-Boost, haben nur die Chance mit einer gehörigen Portion Druckfarbe genügend Homogenität zu erreichen. Berg- und Talbahn auf der Papieroberfläche, unterschiedlicher Druck durch zB unzureichende Zurichtung und zu wenig Druckfarbe standen im Weg, um dieses Prädikat schnell zu erreichen.

Dagegen haben die kalandrierten UV-Boost Papiere mit Deckweisssteuerung einfaches Spiel. Fast jede dieser Marken hat hohe Homogenität durch Masse an gut verriebenem Deckweiss mit Pigment.

Bei der zweiten Gattung also Boost-Papiere ohne volle Deckweisssteuerung sieht es etwas durchwachsen aus. Die Farbe ist normal zB knackig, schön homogen intensiv. Eigentlich derselbe Unterschied wie heute bei gestrichenen gegen ungestrichene Papiere. Nur auch hier gilt die Regel, genügend Druckfarbe ist Pflicht, um die Homogenitätsregel zu erfüllen. Nur ist das ungleich einfacher, wie bei den Übergangspapieren zu erreichen.

Sind die Farben dann in der Matrix entsprechend verortet, steht der Attestierung nichts mehr im Wege.

Besonderheiten, wie Andruckspezialitäten sind hierbei nicht erfasst, fallen sowieso sofort auf...

Damit ist das Mysterium eigentlich gelöst.

Werde jetzt messtechnisch noch ein paar Besonderheiten einsammeln und dann die Marken polygon- und unterpolygonweise vorstellen. freuen
Außerdem fehlen mir noch ein paar Feinheiten bei der Varianz. Hoffe das ergibt sich bald.

Am Ende kann man dann noch ganz gezielt die zweite Boostergruppe (die ohne fette Deckweisssteuerung) untersuchen und dort gezielte Reihen aufbauen.

Spannend dabei ist auch die Verortung dieser Marken allgemein im ganzen, kompletten Matrixbereich. Da gibt es viele Besonderheiten und viele weiße Flecken würden durch diese speziellen Marken bestückt.

Das Jahr 1902 birgt auch noch einige Raffinessen in puncto Besonderheiten.

Dateianhang (verkleinert):

 Germania.jpg (1.95 MByte | 14 mal heruntergeladen | 27.3 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 vorlage dimension und hilfslinie7.jpg (1.71 MByte | 7 mal heruntergeladen | 12 MByte Traffic)

14.08.26, 19:06:45

servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 15.08.26, 20:01:13

Hey moin,

direkt aus dem Messgerät:

2 verschiedene Papiere ein Messwert,

beide besonders frische Exemplare.

ID 801: a=-5,25 b=-8,58
ID 804: a=-5,16 b=-8,59

gemeinsam haben beide Marken die deutlich sichtbare
PERLIGE Druck-Struktur.(Deckweissanteil)

ID 801 liegt bei A -0,5: Die glatte, saubere und strahlend weiße Referenz, die leicht in Richtung der helleren, reinen Feinabstufung tendiert und den idealen Kern markiert.

ID 804 liegt bei B +1,5: Das voluminöse, kompakte und durch den höheren Füllstoff- bzw. Deckweiß- und Blau-Grün-Anteil etwas gedämpfte Kraftpaket, das tief in die verdichtete, dunklere B-Schiene hineinzieht.

Feine Pigmente: Sorgen für eine geschlossene, spiegeln glatte und absolut homogene Farbfläche, bei der kein optisches Aufbrechen mehr stattfindet. (Homogenität 1)

Gröbere verriebene Pigmente & Deckweiß-Anteile: Führen genau zu diesem lebendigen, strukturierten und perligen Charakter, weil die Korngrößenverteilung streut und das Licht ungleichmäßig bricht. (Homogenität 2)
Keine steril-totglatte Perfektion im Nanobereich, sondern eine kontrollierte, zeittypische Chargen-Homogenität, die von den feinen Unzulänglichkeiten der damaligen Pigmentverreibung und den ungleichmäßigen Korngrößen des Deckweiß geprägt ist.

Für das Auge ergeben sich hier zwei verschiedene Homogenitäten. das gelbliche Papier ist gemütlicher und schluckt die harten Kontraste und gleicht die mikro-heterogene Verteilung optisch perfekt aus, während P3 jede kleinste Unregelmäßigkeit gnadenlos offenbart!

Das gelbliche Papier ist natürlich auch saugstärker. Dadurch wird der Farbauftrag optisch weicher eingebunden, während auf härteren, weniger saugfähigen Papieren wie P3 jede Unregelmäßigkeit und jedes Korn wie unter dem Vergrößerungsglas stehen bleibt.


Die Messung (Spec): Bescheinigt beiden Marken eine hohe Homogenität, weil die spektralen Messwerte, die Farbdichte und die CIELAB-Koordinaten im definierten Zielkorridor felsenfest stehen und keine gravierenden Defizite aufweisen.

Die Mikro-Optik / Das Auge: Nimmt bei genauerem Hinsehen (vor allem auf dem härteren Papier) trotzdem diese lebendige Struktur, die ungleichmäßigen Korngrößen des Deckweiß und die nicht bis zum Maximum ausgereizte Verreibung wahr.

Messbezogen sind sie absolut top und homogen – optisch-strukturell zeigen sie aber diesen feinen, spannenden Charakterunterschied!

Endlich habe ich dieses Lehrbuchbeispiel gefunden!!!
Dateianhang (verkleinert):

 Germania ID 801 und 804.jpg (1.84 MByte | 14 mal heruntergeladen | 25.79 MByte Traffic)

15.08.26, 19:16:27

servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 15.08.26, 20:42:39

Nehmen wir ID 710 aus
der sicheren Referenzklasse hinzu:

ID 710 a=-4,84 und b=-8,45

nahebei liegend in der Matrix.

Der direkte messtechnische und optische Abgleich bringt es exakt auf den Punkt: Bei der ID 710 liegt eine wesentlich stärkere, geschlossenere Annäherung an die Homogenität 1 vor, während unsere aktuellen Ultramarin-Chargen mit ihren sichtbaren Pigment- und Deckweiß-Strukturen klar danach in die Homogenität 2 fallen.

Bei ID 710 greifen die Farbpigmente und das Papier so ineinander, dass die Oberfläche optisch viel ruhiger, dichter und ausgeglichener wirkt – ohne dieses feine, unruhige Aufbrechen, das die härteren Chargen bei kritischer Betrachtung offenbaren.

So nah liegen Sieg und Niederlage beieinander!

Fazit: der dreckige Grünschleier führt bei ID 710 zu einem harmonisierenden Filter und erzeugt einen trügerisch ruhigen, geschlossenen Eindruck!

Wenn man diese drei Marken als Eckpunkte in den CIELAB-Farbraum setzt, spannen sie ein hervorragendes Polygon auf:

Sie umschließen exakt das relevante Areal unserer Ultramarin-Charge.

Sie decken die natürliche Bandbreite von der feinen Pigmentstruktur bis zum charakteristischen Papier- und Farbverhalten ab.

Sie bilden zusammen das perfekte, geschlossene Mess- und Referenzfeld, um den gesamten Toleranzbereich lückenlos zu kartieren!

Wenn man diesen Ansatz auf die Gesamtellipse des goldenen Circle ausweitet, schließt sich der Kreis zu einem lückenlosen, mathematisch und optisch perfekten Referenzmodell:
Die Polygon-Eckpunkte:
Die charakteristischen Einzelmarken (wie unsere drei Exemplare und die Referenzen) bilden die exakten Stützstellen im a und b-Farbraum.
Die Ellipse / der goldene Circle:
Die umschriebene Toleranzellipse legt sich als mathematischer Korridor genau um diese Stützpunkte und definiert so den absolut gültigen, harten Standard für die Befundung.

Dateianhang (verkleinert):

 Germania (4).jpg (1.83 MByte | 12 mal heruntergeladen | 21.91 MByte Traffic)

15.08.26, 20:25:57

servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 16.08.26, 14:32:18

Moin,

Ein Isotyp-Polygon (oder farbmetrisches Isotopen-Feld):
Weil die drei Marken mit einem delta e von unter 1,0 so extrem eng beieinanderliegen, bilden sie im CIELAB-Farbraum keinen streuenden Wolken-Cluster, sondern ein geometrisch exakt eingegrenztes, geschlossenes Polygon gleicher Stofflichkeit.

Ein geschlossener Chargen-Korridor (oder homogenes Isophoten-Segment):
Es beschreibt exakt den schmalen Übergangspfad zwischen der harten Deckweiß-Steuerung (Kreideklasse 1) und der klassischen Standardfarbe, bei dem die physikalische DNA (Farbauftrag, Faser, Pigmentdichte) identisch bleibt, obwohl das Auge mangels extremer Kontraste genauer hinschauen muss.

Wenn du diese Marken in einer Reihe aufbaust, dokumentierst du damit keine standardisierte Handelsware von der Stange, sondern einen isolierten Produktionskorridor – du beweist visuell und metrisch, wo die reale Druckstreuung einer Charge beginnt und endet. Das ist keine „Reihe“ mehr im klassischen Sinne, sondern ein geschlossener Beweis-Vektor für die Homogenität dieser Emission.

Fazit: Das zeigt, wie komplex die Entscheidung der Polygonfindung ist. Die Einordnung einer Marke kann durchaus eine Diskussion von einer halben Stunde vorangehen.

ID 710 hat die größte Deckweisssteuerung-DECKWEISSKLASSE---ankert im großen Polygon der Kreideklasse
ID 545 lehnt sich daran an, auch Mitglied des Polygons der Kreideklasse---(das obige Unterpolygon, Bild hierüber, liegt hier an)
ID 796 driftet am ehesten in die Richtung einer neutralen Nuance. Neu: ID 769 a -4,38 b -7,49, noch mit Potential bei a der Feinmessung!

Diese 5 Marken bilden zusammen ein sogenanntes Transitions-Polygon (Übergangs-Polygon=weg von der harten Deckweisssteuerung)

Dateianhang (verkleinert):

 Germania (7).jpg (1.62 MByte | 9 mal heruntergeladen | 14.55 MByte Traffic)

16.08.26, 12:47:23

servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 16.08.26, 14:53:06

ID 710 - ID 545 - ID 509
Kreideklassenpolygon-Mitglieder der näheren Umgebung

jetzt den Abstecher Vergleich ID 509 zu ID 801 und ID 804

Man sieht, wie schön die Matrix in den Unterquadranten greift.


Dabei bewegen wir uns momentan nur vorherrschend in einer Papierklasse +/-. Übergangspapiere zu UV-Boost.

Native Marken sind auch noch nicht auf dem Tablett.... freuen
Dateianhang (verkleinert):

 Germania (8).jpg (1.88 MByte | 7 mal heruntergeladen | 13.13 MByte Traffic)

16.08.26, 14:44:58

servais100

(Dipl.Ing. Druckereitechnik (FH))

geändert von: servais100 - 16.08.26, 15:35:34

Teilt man in 4 Quadranten
um den theoretischen Mittelpunkt
im Uhrzeigersinn wäre dies im im östlichen bis südöstlichen Bereich.

Anbei die gehobenen Stücke dieses Bereichs.
ID 545 liegt der theoretischen Mitte am nächsten.

Das massive Feld an Marken positioniert sich im Kern um den theoretischen Mittelpunkt im 4ten Quadranten, also nord- nordwestlich.

Der 1te und 3te Quadrant ist schwach besetzt.
Dateianhang (verkleinert):

 Unbenannt (2) (9).jpg (1.77 MByte | 11 mal heruntergeladen | 19.51 MByte Traffic)

16.08.26, 15:21:59
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