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Klesammler

(Mitglied)

geändert von: Klesammler - 05.07.20, 20:06:05

Hallo Hubert,

ab ca. 1933 begann die sogenannte Landpost-Verkraftung durch die damalige Regierung. Das bedeutete, daß die Postboten auf dem Land Kraftfahrzeuge bekamen, in denen sie auch Personen mitnehmen konnten. Damit verbunden war die Einrichtung von vielen Poststellen II. Hier am Niederrhein begann das ungefähr Anfang 1935 und per 31.3.1946 wurden die meisten durch Beschluß der alliierten Militärregierung wieder geschlossen.
Aus ideologischen Gründen wurde für viele Stempel Fraktur-Schrift benutzt. Hier im Kreis wurde allerdings meist grotesk benutzt. Wenige Kilometer entfernt auf der anderen Rheinseite finden sich wieder viele in Fraktur.

viele Grüße

Dieter
05.07.20, 20:01:14

hubtheissen

(Mitglied)

Hallo Klemens,
ich glaube nicht, dass das der Grund war. Die Landpoststellen hatten im Zuge der Landpostverkraftung ja schon die neuen Stempel in Groteskschrift bekommen (linke Spalte in meiner Abbildung. Und das betraf ja sogar den Stmeple von Ihringen.
Warum wurden die dann ab 1934 nicht mehr weiter genutzt, sondern durch Stempel in Frakturschrift ersetzt? Die Nazis standen ja auf sowas. Aber wurde der Austausch von ganz oben angeordnet oder war das eine regionale Eigenheit der OPDn?
Wie sieht die Erfahrung der Heimatsammler aus?

Gruß
Hubert

05.07.20, 20:10:25

Klesammler

(Mitglied)

Hallo Hubert,

ich heiße zwar Dieter, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß der Austausch der Stempel ideologische Gründe hatte. Allerdings war anscheinend der Arm der NSdAP nicht überall gleich stark. Mir vorliegende Unterlagen aus dem Altkreis Kleve zur Landpost-Verkraftung und den Poststellen II belegen, daß mitunter kräftig gegen die herrschende Partei gearbeitet wurde. Die Nazis konnten im Bereich der Post nicht immer ihren Willen durchsetzen. Das zeigt sich hier in der Gegend durch das Fehlen von Stempeln in Fraktur.

beste Grüße

Dieter
05.07.20, 20:34:06

hubtheissen

(Mitglied)

Hallo Dieter,
das ist mir jetzt peinlich mit der Namensverwechslung. Mein Hirn war wohl mit etwas anderem beschäftigt. Leider weis nicht womit und befürcht schlimmes :(.
Soweit ich mitbekommen habe, war der Widerstand gegen die Nazis dort nicht so groß oder zumindest in bestimmten Kreisen nicht.
Gruß
Hubert
05.07.20, 20:47:11

hubtheissen

(Mitglied)

Hallo,
ich habe etwas herumgegoogelt.
Die Nutzung der Frakturschrift und auch der Sütterlinschrift war wohl auch unter den Nazis nicht unumstritten.
Während das Reichsinnenministerium 1933 die Verwendung forcierte, stellte sich Hitler schon 1934 gegen die Verwendung und 1941 wurde die Verwendung sogar untersagt, da es sich angeblich bei der sehr ähnlichen "Schwabacher Schrift" um eine jüdische Schriftart handeln sollte, und nun sollte die Antiqua die neue deutsche Schrift sein.
Ich glaube deshalb, worauf auch der Beitrag von Dieter hinweist, dass regional unterschiedlich auf den Druck des Innenministeriums in den Jahren 1933 und 1934 reagiert wurde.
Es würde mich aber schon interessieren, in welchen anderen Regionen eine solche gehäufte Umstellung von Stempeln auf Frakturschrift stattfanf. Vielleicht hat ja jemand dazu Material.
Gruß
Hubert
06.07.20, 14:33:30

kulemann

(Mitglied)

Zitat von hubtheissen:
Hallo,
eine Frage in die Rund.
Mir ist aufgefallen, dass es bei den Landpoststempeln und bei einem Gelegenheitsstempel um die Jahre 1933/1934 bei den Postorten am Kaiserstuhl eine Umstellung gab. Die bis dahin verwendeten Stempel mit einer Grotesk-Schriftart wurden durch Stempel mit Frakturschrift ersetzt. Ich habe Beispiele beigefügt.
Kann mir jemand einen Hinweis geben, ob dies aufgrund einer Verordnung/Anordnung etc. geschah oder eher aufgrund des "Zeitgeistes"

Danke und Gruß
Hubert


Hallo Hubert,

beides ist richtig!

Mitte 1933 änderte sich die Vorschrift für die Bezeichnung der Poststellen von "Poststelle Leitpostamt Land" in "Poststelle über Leitpostamt". In diesem Zusammenhang wurden in meinem Heimatsammelgebiet und wohl auch im gesamten Reichspostgebiet sämtliche Poststellenstempel ersetzt. Die Stahlstempel der Postagenturen - später Poststellen I - jedoch nicht. Hier erfolgte die der Zusatz "über Leitpostamt" erst bei Neuanschaffung. Einige Poststellen I erhielten nie einen solchen Stempel.

Dem zu diesem Zeitpunkt noch aktuellen Zeitgeist der Nationalsozialisten entsprechend wurden die neuen Stempel 1933 in Fraktur hergestellt. Der Austausch erfolgte aber nicht wegen der Schrift, sondern aus übergeordneten Gründen.

Tatsächlich tauchen nach der erneuten hier bereits genannten Änderung der Auffassung zur "deutschen Schrift" ab ca. 1940 bei Neuanschaffungen wieder Poststellenstempel in Grotesk und Antiqua auf.

Herzliche Grüße
Burkhard

Freue mich über jeden Beleg für meine Heimatsammlung: (Hamburg-)Bergedorf und Kreis Herzogtum Lauenburg von Vorphila bis heute. (Alte PLZ alle 205x und 241x sowie einige 2000 (nicht Hamburg), 2061, 2071, 2401, DDR 273x und DDR 282x).
09.07.20, 00:15:18

hubtheissen

(Mitglied)

Hallo Burkhard,

vielen Dank für die Info. Jetzt passt es.

Gruß

Hubert
09.07.20, 11:05:36
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