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Hallo liebe Teilnehmer,

herzlich willkommen zum neuen Thema Brief aus Nassau-Weilburg nach Castell

Versucht beim Schreiben immer sachlich zu bleiben. Drückt euch klar aus, damit jeder Leser versteht, ob ihr Fachwissen teilt oder eure Meinung zu einem Thema sagt.

Verzichtet auf Kommentare über andere Teilnehmer. Kommentiert gerne die Aussagen anderer. Wir wollen über Philatelie diskutieren und nicht über Philatelisten freuen

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20.03.21, 17:24:23

vozimmer

(Mitglied)

geändert von: vozimmer - 21.03.21, 09:34:59

Hallo miteinander,

der Brief passt nicht hundertprozentig und Thema, aber ich habe keine bessere Stelle gefunden um ihn vorzustellen und (natürlich) noch eine frage loszuwerden.



Der Brief ging von Kirchheimbolanden nach Castell (Unterfranken). Weder Kirchheimbolanden, noch Castell gehörten zur Zeit des Briefes nach Bayern (später jedoch beide Orte). Kirchheimbolanden gehörte zu Nassau-Weilburg, Castell war eine reichsständische Grafschaft.

Kurz meine Transkription:
Vorderseite:
A Monsieur
Monsieur Lecomte Regnant de Castell
Remlingen
á

herrschaftl. Castell
en Franconie


Rückseite:
erhalten d. II ten. Juni 1791.

Das Lacksiegel zeigt das Wappen von Nassau-Weilburg.

Auf Grund des Absenders (Wappen) und des Vermerks herrschaftlich würde ich von einem Portofreien Brief ausgehen. Was mich stört ist dieser kleine Rötelhaken oben mittig auf der Vorderseite. Ich kann darin aber keine Zahl lesen.

Kann jemand etas zu dem Haken mit Rötel etwas sagen? Soll er doch eine 4 darstellen?

Beste Grüße, Volker

Volker Zimmermann, Postgeschichte Bergedorf, Bergedorf-Katalog
20.03.21, 17:25:23

Klesammler

(Mitglied)

geändert von: Klesammler - 21.03.21, 02:08:28

Hallo Volker,

ich meine, daß der Brief 200 Jahre älter ist als du schreibst. Für mich steht da 1791. ;-)
Den Vermerk links unten lese ich als herrschaftl. Möglicherweise reichte das nicht und es wurden 4 ?? angeschrieben. Normalerweise folgt Dienstsache, Armensache oder dergleichen. Eins ist sicher: In Bayern gab es viel weniger Portobefreiungen als in Preußen. Mehr kann ich dazu aber nicht beitragen.

beste Grüße
Dieter

PS: Mir fällt gerade auf, daß der Vermerk links unten von anderer Hand geschrieben wurde.
21.03.21, 01:53:35

vozimmer

(Mitglied)

Hallo Dieter,

den Tippfehler mit 1991 und 1791 habe ich korrigiert.

Und ja, im Original sieht man es noch besser, die Hülle trägt drei Schriften jeweils mit anderer Tinte geschrieben. Vom den Themen Bayern, Preußen, etc. muss man sich wohl bei dem Brief ganz lösen, anzuwenden sind Bestimmungen aus der Zeit der Kaiserlichen Reichspost. Da habe ich aber keine Unterlagen zu.

Beste Grüße, Volker

Volker Zimmermann, Postgeschichte Bergedorf, Bergedorf-Katalog
21.03.21, 09:46:39

lehrling

(Mitglied)

geändert von: lehrling - 21.03.21, 11:21:47

Hallo vozimmer,
die Kaiserliche Reichspost ist für mich noch ein großes Fragezeichen und ich gebe gern einen einst von #Erdinger erhaltenen Hinweis weiter:

"Genau einschlägig für dich wäre aber das Buch von Horst Diederichs, Die Umgestaltung des deutschen Postwesens zwischen der Französischen Revolution (1792) und dem Wiener Kongreß (1814/15), das 2016 bei Christoph Gärtner erschienen ist (und, glaube ich, immer noch gegen eine Spende für die Deutsche Philatelistenjugend zu haben ist, am besten beim Auktionshaus nachfragen). Dort werden allerdings keine Briefe beschrieben, was aber kein Beinbruch ist, weil sich Analogieschlüsse ohnehin meist nicht empfehlen.
Diederichs Buch ist angesichts der vielen dort dargestellten territorialen Verschiebungen jedoch richtig harte Lesearbeit, selbst für erfahrene Leser. Aber sie lohnt sich. Ich lerne das Gebiet auch erst kennen."

Recht hatte er, das Buch war gegen eine Spende erhältlich, höchst interessant und manches nicht auf Anhieb verständlich - am Ende aber hat man ein Gefühl für die abwechselungsreiche Zeit, auch wenn das für die Beschreibung deines Briefes nicht weiterhilft.
Zu diesem folgende Überlegung: Herrschaftlich und portobefreit waren bei der Reichspost doch eher die kaiserlichen Briefe, nicht die der unzähligen Fürsten, deshalb deren Bemühungen, eigene Posten zu Gründen.
Daher meine ich, dass dein Brief mit 4x taxiert ist,
Gruß lehrling
21.03.21, 11:21:03

Erdinger

(Mitglied)

Hallo vozimmer,

es ist tatsächlich sehr schwer, die Taxierungen der Reichspost zu begreifen.

Das liegt auch daran, dass es häufig nur möglich war, Franko oder Porto bis zu einem bestimmten Punkt zu errechnen – dem sogenannten Absatzort. Danach wurde neu berechnet. Bei deinem Brief wäre das dann entweder Würzburg oder Nürnberg gewesen, je nachdem auf welcher Route der Brief lief. Von Nürnberg bis Markt Bibart wurden 1782 4 Kreuzer Porto veranschlagt (könnte passen), von Würzburg bis Kitzingen oder Remlingen 2 Kreuzer. Der Vermerk »herrschaftlich« ohne weitere Leitvermerk macht deinen Brief auch weiterhin rätselhaft. Da hilft dann nur Vergleichsmaterial weiter (das leider nicht einfach zu finden ist).

Im Moment arbeite ich gerade zwei gedruckte Quellen aus den Jahren 1782 und 1784 auf, von denen die eine hoffentlich im nächsten Rundbrief der Arge Bayern (klassisch) und der größere Zusammenhang in Form von Tabellen dann auf der Homepage erscheinen wird. Ob diese Listen dann immer hilfreich sein werden?

Das von @lehrling beschriebene Buch führt gut vor Augen, wie das ganze System, das sich vor den Französischen Revolutionskriegen wirtschaftlich und postalisch auf dem Höhepunkt befand, erhebliche Schläge verkraften musste. Das dürfte auch so manche Portotabelle wieder über den Haufen geworfen haben.
21.03.21, 14:39:04

Klesammler

(Mitglied)

Hallo Erdinger,

an 4xr für die restliche Strecke in Bayern hatte ich auch gedacht. Aber was ist mit der Strecke bis Würzburg oder Nürnberg? Da ist nichts. Das ist für mich ebenso seltsam wie der Vermerk unten links.

Dieter
21.03.21, 17:44:50

vozimmer

(Mitglied)

Hallo Lehrling, hallo Erdinger, hallo Dieter,

besten Dank eure Beiträge und für den Tip mit dem Buch. Gärtner hat schon geantwortet, das Buch ist unterwegs.

Eventuell ist die Taxe bei folgenedem Brief besser zu knacken.



Der Brief datiert vom 3o.o3.1787 und geht nach (ich lese) Reichenbach. Aber Reichenbachs gibt es mehrere.
Den Vermerk links lese ich als Meisenheim p. Cusel.
Eventuell hilft er das richtige Reichenbach zu identifizieren.
Die notierten Taxen stammen wohl von zwei Orten, einmal ´8 x´ (für 8 Kreuzer?) und mit etwas anderem Rütel ´I -´ für 1, das - sagt mir nichts.

Beste Grüße, Volker


Volker Zimmermann, Postgeschichte Bergedorf, Bergedorf-Katalog
22.03.21, 15:00:49

el-zet

(Mitglied)

Heißt das churpfälzisch in der Anschrift? Dann würden ein paar Reichenbäche ausscheiden.
22.03.21, 15:29:18

vozimmer

(Mitglied)

Hallo el-zet,

stimmt, dann steht in der Adresse:

An
Churpfalz Burg meister
Herrn Ludolph
in Reichenbach


Und Reichenbach ist heute ein Ortsteil von Reichenbach-Steegen

Volker Zimmermann, Postgeschichte Bergedorf, Bergedorf-Katalog
22.03.21, 16:12:15
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