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philetalia

(Mitglied)

Hallo Altsax,

dann versuche ich doch noch einen kleinen Zusatz. Zum einen hätte vermutlich das Gewicht des Briefs angegeben werden müssen. Zum anderen war es doch so, dass sich der sächsische und der preußische Silbergroschen unterschieden, so dass noch eine Umrechnung der verkleben 2 sächsischen Sgr. erforderlich gewesen wären, bzw. dann vermutlich auch noch die Rückrechnung des in Leipzig einzuziehenden Differenzbetrags.

Viele Grüße
Bernhard
26.11.20, 12:30:33

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 26.11.20, 13:30:28

Zitat von philetalia:
Zum anderen war es doch so, dass sich der sächsische und der preußische Silbergroschen unterschieden, so dass noch eine Umrechnung der verkleben 2 sächsischen Sgr. erforderlich gewesen wären, bzw. dann vermutlich auch noch die Rückrechnung des in Leipzig einzuziehenden Differenzbetrags.


Hallo Bernhard,

der sächsische Neugroschen war dem preußischen Silbergroschen gleichwertig. Der Unterschied bestand lediglich darin, daß der Silbergroschen in 12, der Neugroschen jedoch in 10 Pfennige geteilt wurde.

Um die weiteren Fehler zu finden, muß man in die relevanten Tarifbestimmungen einsteigen.

Beste Grüße

Altsax
26.11.20, 13:29:32

Oberlausi

(Mitglied)

geändert von: Oberlausi - 26.11.20, 20:36:48

Zitat von Altsax:
Hallo Bernhard,

das ist exakt der Punkt, der sich auch ohne Detailkenntnisse finden läßt.

Die restlichen postalischen Fehlgriffe zu entdecken, bedarf sehr detaillierter Kenntnisse, über die auch einige Postler offensichtlich nicht verfügten.

Vielleicht hat jemand Lust, tief zu schürfen.

Beste Grüße

Jürgen


Guten Abend Zusammen,

ich tippe mal auf die gezeigten Verfügungen zu Panama.

Da komme ich zwar je nach Sendung (kein Briefgewicht angegeben = kein Brief?) nur auf maximal 23 Gr, ob das Fehlende bzw. die auf dem Brief taxierten 2 Gr die Beförderung nach der Grenze betreffen?

Viele Grüße aus der Oberlausitz

oberlausi
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26.11.20, 20:34:07

lehrling

(Mitglied)

geändert von: lehrling - 26.11.20, 23:48:57

Hallo Oberlausi,
vielen Dank für die Quellen, ich denke die für den Versand mit preußischen Briefpaketen ist die Richtige - beim Versand über Bremen wäre der Franco-Defekt nicht in Cöln aufgefallen.
Der Brief ging nach St.Jago de Chili per Panama, gemäß der Tabelle wären dafür 31 8/10 Sgr angefallen.
Die Preußen haben also auf jeden Fall zuwenig Geld eingefordert.
Ob es noch einen Strafzuschlag für die Unterfrankatur gab und ob das verklebte Franco in Abzug gebracht werden durfte, weiß ich nicht - aber vlt jemand der näher an den Quellen ist...
Gruß lehrling
26.11.20, 23:47:06

Altsax

(Mitglied)

Hallo zusammen,

damit aus diesem Rätsel keine endlose Geschichte wird, hier die etwas komplexe Auflösung:

Für überseeische Destinationen bot die sächsische Post i.d.R. unterschiedliche Speditionswege an. Sie unterschieden sich in Beförderungszeiten, Tarifen und nicht zuletzt in den zum Versandzeitpunkt frühestmöglichen Abfahrtzeiten der Schiffe.

Meist konnte der Aufgeber des Briefes den Speditionsweg wählen. Tat er das nicht, galten seitens der Post oft bestimmte zu bevorzugende Speditionswege.

Die Tarife änderten sich häufig, meistens veranlaßt durch Wettbewerbsdruck.

Veröffentlicht wurden Tarifänderungen in den Postverordnungsblättern, teilweise jedoch nur in "Texturen", die zu entnehmen und in die in größeren Abständen veröffentlichen Tarifwerke einzukleben waren. Dieses Verfahren hat zur Konsequenz, daß die Texturen in den erhalten gebliebenen Postverordnungssammlungen nicht mehr enthalten, die Tarife also bisweilen schwer zu finden sind.

Zum Beförderungszeitpunkt des fraglichen Briefes existierten zwei Speditionsvarianten, die über Preußen vermittelt wurden und somit zumindest theoretisch über Cöln hätten geleitet werden können:

a) mit der British Open Mail über England (Tarif 3 Ngr. Postverein + 24 Ngr. fremd)
b) mit der Prussion Closed Mail über die USA (Tarif 2 Ngr. Postverein + 23 1/2 Ngr. fremd)

In beiden Fällen bestand Frankierungszwang bis zum Landungshafen Chiles.

Diesen Frankierungszwang hatte der sächsische Postler offensichtlich nicht beachtet. Da Teilfrankatur nur des Postvereinsanteils absolut unüblich war, enthielt der Brief offensichtlich handschrifrlich die bewußte "2" als Postvereins-Portobelastung. Er war somit für den Speditionsweg über die Prussion Closed Mail bestimmt, was ein entsprechendes Verlangen des Aufgebers voraussetzte.

Der preußische Postler in Cöln ignorierte das und belastete die 24 Sgr. für den Speditionsweg über die British Open Mail, setzte aber gleichwohl 2 Sgr. Postvereinsanteil an, die er korrekterweise addierte, obwohl das Formular eigentlich Anrechnung vorsah. Möglicherweise gign er davon aus, daß diese 2 Ngr. Vortaxe auf einer Entfernung des Aufgabeortes im 2. vereinsländischen Entfernungsbezirk beruhten. Es existierte jedoch kein sächsischer Postort mit einer Entfernung zur Postvereinsgrenze unterhalb des 3.Entfernungsbezirks.

Den Beleg habe ich gezeigt, weil er sehr schön die Komplexität der Auslandstarife zeigt, die selbst die sicherlich erfahrenen Postler an den Knotenpunkten zum Ausland bisweilen überforderte.

Beste Grüße

Altsax



Gestern, 09:09:31

philetalia

(Mitglied)

geändert von: philetalia - Gestern, 18:06:15

Hallo,

eigentlich ist es kein Brief, sondern eine Karte, aber sie barg bereits im Jahr 1889 ein Geheimnis, das offensichtlich nicht so leicht zu entschlüsseln war. Die Karte wurde am 26. April aus Ath in Belgien nach Stettin in "Allemagne (Silésia)" geschickt. Das mit Schlesien wurde evtl. als Unsinn erkannt und gestrichen, auf alle Fälle kam die Karte am 27.4. in Stettin an. Offensichtlich war der Adressat dort aber nicht aufzutreiben, so dass die Karte ins über 500 km entfernte, damals K&K-österreichische Štítina in Mährisch-Schlesien umgeleitet wurde, wo die Karte bereits am folgenden Tag eintraf. Aber auch dort konnte man nichts damit anfangen, so dass sie wieder zurück nach Stettin geschickt wurde, wo sie wiederum einen Tag später eintraf. Ob sie dann zugestellt werden konnte, weiß ich jetzt nicht. Leider kann ich auch nicht alle handschriftlichen Vermerke identifizieren und wann sie im Lauf der Irrfahrt aufgebracht wurden. Kann jemand hier weiterhelfen?

Viele Grüße
Bernhard
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Gestern, 18:05:31

Altsax

(Mitglied)

Hallo Bernhard,

die Karte interpretiere ich folgendermaßen:

Sie wurde zuerst ins preußische Stettin geschickt, dort aber ohne Zustellversuch unmittelbar unter Hinweis (Unterstreichen mit Blaustift) auf die Adressangabe "silésia" ins österreichische Stetting weitergesandt.

Dort wurde vermerkt, daß der adressat unbekannt sei und die Karte mit dem Vermerk "vielleicht Deutschland" zurückgesandt. Wenn die Textseite der Karte nichts Gegenteiliges enthält, erfolgte in Stettin die Zustellung.

beste Grüße

Alzsax

Gestern, 23:59:14
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