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Hallo liebe Teilnehmer,

herzlich willkommen zum neuen Thema Stuttgart, Postamt I, kleiner Datumsbrückenstempel in zwei Typen

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Wir wünschen viel Freude am Hobby Philatelie!
16.01.24, 13:05:47

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

am Stuttgarter Postamt I wurden zwei verschiedene Stempelgeräte verwendet, welche gemäß sammelgebietsspezifischer Literatur als Datumsbrückenstempel (DB) bezeichnet werden. Datumsbrückenstempel gab es in Württemberg in verschiedenen Ausführungen und werden in der Fachliteratur nach verschiedenen Typen eingeteilt. Gemäß der Einteilung, nach dem Stempelhandbuch von Herrn Thomas Heinrich*1, handelt es sich bei den hier im Thema behandelten Stempeln jeweils um Type "DB III c" = Datumsbrücke durchgehend, schraffierte Segmente, mit Angabe der Tageszeit in römischen Zahlen (=Vormittagsstunden) und arabische Zahlen (=Nachmittagsstunden). Die beiden Datumsbrückenstempel vom Stuttgarter Postamt I werden unter Sammlern auch als "kleiner Datumsbrückenstempel" bezeichnet. Im besagten Handbuch von Herrn Heinrich wird unter dem Datumsbrückenstempel "STUTTGART POSTAMT I" angegeben: "belegt ab 04.12.71" (in der Zwischenzeit ist mir aus der Sammlung Trost ein Beleg vom 13.11.1871 bekannt geworden, auf diesen Beleg bezieht sich auch die Klischee-Abbildung im Handbuch der Herren Thoma und Brühl*2)

Bei dem einen Stempelgerät folgt hinter dem Wort POSTAMT ein Punkt und dann eine Postamtsziffer I mit Serifen oben und unten oder anders ausgedrückt, Postamtsziffer in Schriftart Antiqua.

Stempeldatenbank: DB III c, STUTTGART POSTAMT.I, Postamtsziffer Antiqua

Bei dem zweiten Stempelgerät folgt hinter dem Wort POSTAMT kein Punkt und die Postamtsziffer hat oben und unten keine Serifen, die Schriftart dieser Postamtsziffer wird als Grotesk bezeichnet.

Stempeldatenbank: DB III c, STUTTGART POSTAMT I, Postamtsziffer Grotesk

Eine weitere gute Orientierungshilfe, ob ein Abschlag von jenem oder diesen Stempelgerät stammt, gibt die konkrete Stellung des T in POST. Es ist dennoch nicht immer einfach, einen jeden Abschlag, der von diesen beiden Stempelgeräten abgeschlagen wurde, dem konkreten Stempelgerät zuzuordnen. Einerseits kommen sehr klare Abschläge vor, andererseits auch sehr undeutlich bzw. verschmiert abgeschlagene.

Abschläge, die von diesen zwei Stempelgeräten stammen, konnte ich im Verwendungszeitraum der 70 Kreuzermarken nur auf solchen Briefen finden, die per Einschreiben und/oder als Eilbotensendung aufgegeben wurden und das zieht sich dann so auch in der Zeit danach weiter, dass auf gewöhnlicher Briefpost Abschläge, die von diesen beiden Stempelgeräten stammen, bisher nicht ausfindig gemacht werden konnten. Im Stempelhandbuch der Herren Winkler und Klinkhammer*3; wird als Spätdatum "11/1882" angegeben und darauf verwiesen, dass es zwei Typen gibt.

Gemäß den Angaben von Karl Köhler*4 wurde der Verbrauch der 70 Kreuzermarken von amtlicher Seite genauestens festgehalten. Für den Zeitraum vom 1. Januar 1873 bis zum 30.06.1873 wird ein Verbrauch von 471 Stück angegeben. Dem zur Folge darf auch davon ausgegangen werden, dass diese 471 Stück im Sinne des Verausgabungszwecks, im Sinne der bekannten amtlichen Verfügungen verwendet wurden und bedarfsgebrauchte 70 Kreuzermarken aus genau diesem Zeitraum auftauchen können.

Im Zeitraum vom 1. Juli 1873 bis zum 30.06.1874 sollen 4.898 Stück der 70 Kreuzermarken verbraucht worden sein und für den Zeitraum vom 1. Juli 1874 bis zum 30.06.1875 werden 13.750 verbrauchte Exemplare angegeben. Die Zeiträume ergeben sich, weil das jeweilige Geschäftsjahr der württembergischen Verkehrsanstalten am 1. Juli des einen und am 30. Juni des Folgejahres endete.

Insgesamt ergibt sich eine Stückzahl von 19.119 verbrauchten Exemplaren.

Das als Vorabinformation, bevor es mit Bildmaterial hier im Thema weiter geht.

Beste Grüße
Markus

1 Thomas Heinrich, Königreich Württemberg Stempel der Kreuzerzeit 1851-1875, I. Auflage Dezember 2008, Seiten 54 bis 58

2 Carlrichard Brühl / Heinz Thoma, Handbuch der Württemberg-Philatelie, Kreuzerzeit (1851-1875), Giessen/Winnenden 1976, Band II/2 Seite 48

3 Hartmuth Winkler / Marc Klinkhammer, Posdtalische Stempel Württembergs 1875-1925, I. Auflage: April 2012, Seite 409

4 Karl Köhler, Die Briefmarken von Württemberg 1851-1881, überarbeitet, ergänzt und herausgegeben von Konsul H.E. Sieger (1940), Seite 117

16.01.24, 13:06:47

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

nachstehend die Klischeeabbildungen, aus dem Handbuch Brühl/Thoma, zu den beiden kleinen Datumsbrückenstempeln vom Stuttgarter Postamt I

Ferner angehangen Bildmaterial, zu dem am 13.11.1871 per Einschreiben von Stuttgart nach Straubing/Bayern in der zweiten Gewichtsstufe versendetem Brief. Von diesem Brief wurde einst der freistehende Abschlag klischiert und die rechte Klischeeabbildung, für den Stempel mit Postamtsziffer in Grotesk, erzeugt. Die Klischeeabbildung weicht ein wenig von der originalen Vorlage ab (siehe Überlagerung der Klischeeabbildung in schwarzer Farbe auf den Scan des Originals. Letzterer in umgekehrten Farben, sogen. Negativ, dargestellt). Einerseits kann es beim Klischieren zu Übertragungsverlusten gelangen und andererseits kann der Abzug auch noch überarbeitet werden. Oftmals wurden und werden in Klischeeabbildungen kleine Fehler eingebaut, damit solche, wenn widerum jemand die Abbildung aus einem Handbuch als Fälschungsvorlage nimmt, bei der Prüfung von daraus widerum entstandenen Stempelfälschungen auffallen.

Für die linke Klischeeabbildung, Type mit Punkt nach POSTAMT und Postamtsziffer in Antiqua, habe ich den passenden Beleg noch nicht ausfindig machen können. Diese Klischeeabbildung ist m.E. stark überarbeitet, passt über keinen von mir im Moment gespeicherten Abschlag dieser Type. Ob es sich hierbei überhaupt um ein reales Verwendungsdatum handelt, darf natürlich bei einer Klischeeabbildung auch immer in Frage gestellt werden. Daraus ergibt sich dann auch, warum die in den Klischeeabbildungen erkennbaren Daten im Jahre 2008 nicht einfach in das Handbuch von Herrn Heinrich Einzug gehalten haben. Ohne eine genaue Kenntnis, zu dem Beleg, von dem die Klischeeabbildung genommen wurde, darf man dieser Art Klischeeabbildungen nicht arg zu ernst nehmen.

Echte Abschläge, die von den beiden unterschiedlichen Stempelgeräten stammen, unterscheiden sich auch in der Textbogenlänge der Ortsbezeichnung STUTTGART. Eine Überlagerung, des zu überprüfenden Abschlags, mit weiteren echten Abschlägen von beiden Typen, ist unabdingbar, um das richtige Stempelgerät, des zu prüfenden Abschlags in Erfahrung zu bringen.

Beste Grüße
Markus

Bildquelle, für den echten Beleg: 164. Dr. Derichs Auktion, TROST IV (Königreich Württemberg), abgehalten in Stuttgart
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16.01.24, 19:55:38

stampsteddy

(Mitglied)

geändert von: stampsteddy - 17.01.24, 06:18:58

Hallo,

die frühesten Daten, die ich selbst bisher von dem Stempel mit Punkt hinter Postamt habe einsammeln können, zeigen sich auf den nachstehenden zwei Stücken.

Vier Abschläge vom 14.10.1872 auf Briefstück mit einem Viererblock der MiNr. 38 (Bildquelle: 23. Erhardt-Auktion, Württemberg-Sammlung Bauer)

Zwei Abschläge vom 15.02.1873 auf einem Orts-Einschreiben. (Bildquelle: 49. Auktion Potsdamer Philatelistisches Büro)

Beste Grüße
Markus
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17.01.24, 06:17:41

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

nachstehend nun die erste 70 Kreuzermarke, die mit einem solchen Datumsbrückenstempel vom Stuttgarter Postamt I entwertet wurde und die ich zeigen möchte.

Es handelt sich um eine MiNr. 42 a und der DB STUTTGART I ist hier zweimal überlappend auf der Marke abgeschlagen. Die Jahreszahl "74" kann ich klar erkennen, mit der Tages- und Monatsangabe wird es dann schwierig.

Die Marke befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme auf einem Albumblatt und dieses gehört zu einer Sammlung, welche in der 24. Christoph Gärtner Auktion versteigert wurde (Los 25093). Unterhalb dem Markenfeld steht in Bleistift geschrieben "42 a Attest". Das Attest wurde innerhalb der Los-Abbildungen leider nicht gezeigt. Eine vergleichbare 70 Kreuzermarke, die mit dem DB-Stempel STUTTGART I in genau dieser Art entwertet wurde, habe ich bisweilen noch nicht gesehen. Selbst habe ich anhand der Bilddatei keine Zweifel daran, dass es sich um eine vom echten Stempelgerät stammende und zugleich zeitgerechte Entwertung handelt. Die Art der Entwertung spricht faktisch nicht für eine sogen. Gefälligkeitsentwertung und ist in der Art auch auf 14 Kreuzermarken nachvollziehbar.

Gibt es abweichende Meinungen hierzu?

Kennt jemand das Attest bzw. kann jemand das Attest zu dieser Marke zeigen?

Beste Grüße
Markus
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28.11.24, 16:45:29

stampsteddy

(Mitglied)

geändert von: stampsteddy - 30.11.24, 18:07:53

Hallo,

der Abschlag auf dem nachstehenden Exemplar MiNr. 42 a ist leider nicht datierbar und er erweckt ebenfalls nicht wirklich den Eindruck, dass es sich hierbei um eine Entwertung zu Sammlerzwecken handelt.

Bildquelle: ebay, Anbieter "Sammlershop-TK"

Beste Grüße
Markus
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30.11.24, 18:07:09

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

das nachstehende Exemplar MiNr. 42 a zeigt mit dem Datum vom 26. Februar 1873 den im Moment frühesten Abschlag eines kleinen Datumbrückenstempels auf einer 70 Kreuzermarke, welcher bei mir registriert ist.

DB "STUTTGART POSTAMT I 26 II 73 XI"

Die Marke wurde in der 112. Kirstein-Larisch Auktion versteigert. Der hochgeladene Scan ist nicht der, welcher bei Philasearch eingestellt war sondern wurde vom Auktionshaus auf besondere Anfrage erstellt. Der Ausruf betrug Euro 280.- und der Zuschlag erfolgte bei Euro 500.-

Es bestehen bei mir keine Zweifel daran, dass der Abschlag vom echten Stempelgerät stammt und zeitgerecht angebracht wurde.

Beste Grüße
Markus
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05.12.24, 13:14:33

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

jetzt habe ich eine MiNr. 42 a gefunden, bei welcher zwei Abschläge des kleinen Datumbrückenstempels sogar noch enger übereinander gesetzt sind, als bei der bereits zuvor gezeigten Marke.

Die Postamtsziffer wieder in Antiqua und es handelt sich um ein Datum aus August 1874

Bildquelle: Hobbyphilatelie Höflich KG, Auktion 9./10. Dezember 1992

Beste Grüße
Markus
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08.12.24, 12:34:08

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

auf besonderen Wunsch von palaiss, nachstehend der Nachweis, dass in beiden Abschlägen, der in einem Beitrag zuvor gezeigten Marke, das Wort "POSTAMT" lesbar ist.

Beste Grüße
Markus

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08.12.24, 15:03:47

stampsteddy

(Mitglied)

Michel-Nr. 42 a

kopfstehender Abschlag des kleinen DB-Stempel (PAZ antiqua) mit Datum vom 3. Oktober 1874

Fotoattest Heinrich BPP

Bildquelle: 367. Heinrich Köhler Auktion
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06.01.25, 09:43:45
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