@ stampsteddy
Du hast es doch zunächst als ganz einfach für Dich angesehen, 2.000 ungebrauchte 70 Kreuzer
nachvollziehbar zu erfassen. Dann bist Du auf 1.500 zurückgerudert und dann nochmals auf 1.000, die Du dann auf die obigen und von uns vereinbarten 2.000 Exemplare hochrechnen willst. So geht das natürlich nicht.
Wir hatten uns gnädigerweise darauf geeinigt, dass Ihr nicht die kpl. 2.850 Exemplare des fast vollständig verkauften Restbestandes nachweist, sondern nur 2.000, um meine Briefpoststempelthesen zu widerlegen. Ca. 100 Exemplare wurden zweifelsfrei nach- oder falschgestempelt und 750 Exemplare rechnen wir als verschollen und verloren wegen Krieg, Hausbränden, Wasserschäden usw.
Jetzt ist Dir natürlich klar geworden, dass Du mit Deinen Mitteln die 2.000 ungebrauchten Exemplare nicht schaffst, nach 300 wirst Du schon Schwierigkeiten haben, da Du ja nicht über die Prüferunterlagen verfügst im Moment. Das alles ist eine klassische Sisyphos-Arbeit, also für die Katz!
Du kennst ja die Geschichte vom Sisyphos, der unbedingt einen schweren Felsbrocken über einen Berg schaffen wollte, aber kurz vor dem Ziel ist der Stein immer wieder zurückgerollt und er musste von vorne anfangen, und am Ende hat er es nicht geschafft nach dem tausendsten Versuch.
Jetzt könntest Du mit der Geschichte der Lachse argumentieren: Die Lachse haben ja auf dem Weg zu ihren Laichgründen immer wieder 2 Meter hohe Wasserfälle und überwinden die sogar meistens, oft nach dem 30. Versuch, sonst wären die Lachse ja längst ausgestorben. Du kennst diese Filme bei Arte, in denen die Lachse immer wieder den Wasserfall hochspringen und zurückfallen ins seichte Wasser, aber es schließlich doch noch schaffen.
Du und die Württemberg-Prüfer und die Jungs von der Verbandsprüfstelle wählen also die Lachsvariante, und da kann ich Euch noch ein paar Tips geben, weil ich ja schon 50 Jahre in der Branche bin und einige Erfahrung in der Sache mitbringe.
Die öffentliche Aussage von Prüfer Thomas, ich verstünde nix von Württemberg, ist untertrieben, auch weil ich sicher im Laufe der Zeit schon um die hunderttausend nennenswerte Württemberg-Lose bei mir oder anderswo angeboten und meist sogar verkauft habe. Da hast Du einen gewissen Vorteil und bekommst ein Gefühl für die Sache, du weißt schon: Learning per Doing.
Fangen wir bei Dir an: Du bist ja schon dabei mit der Registratur und hast vor allem die verfügbaren Online-Archive von C.G., Felzi, Dr. Fischer, Köhler und David Feldman ausgewertet, dann hast Du ja eine ganze Menge Printkataloge und kommst so auf stücka 300 ungebrauchte 70 Kreuzer-Exemplare. So weit, so gut.
Jetzt haben ja die Württemberg-Prüfer ihre eigenen Archive mit den ganzen Attestkopien von Prüfer Heinz, Thomas, Klaus und Marc, und da kommen, sagen wir seriös, 800 nachweisbar verschiedene ungebrauchte Exemplare zusammen. Das neue Provenienzfindungssystem der Fa. Köhler haben sie sicher auch schon ausgewertet und die sind dann bei den geschätzten 800 dabei.
Um doppelte Arbeit bei Dir zu vermeiden, fragst Du einfach Prüfer Thomas, der ja sicher heilfroh ist über jemanden, der die Zeit irgendwie totschlagen muss und ihm und den anderen völlig ehrenamtlich und selbstlos hilft, die 2.000 nötigen ungebrauchten Exemplare zu erfassen. Die werden Dir sicher ihren Stick mit den Attestkopien usw. schicken, weil sie Dich schätzen und auch hier im Forum über den Klee gelobt haben. Das wäre dann schon fast die halbe Miete.
Jetzt würde ich vorschlagen, dass Du Dir den Schlüssel von der Philabibliothek Wiesbaden, bei Dir gleich nebenan, geben lässt und da kannst Du ein paar Wochen lang alle Auktionskataloge durchwälzen, die die haben, findest dann vielleicht nochmal 100 bislang nicht gelistete ungebrauchte, dann wären wir bei 900.
Schließlich kaufst Du Dir eine Bahncard 1. oder 2. Klasse und fährst nach München, suchst Dir da ein nettes Hotel, gehst in die Philatelistische Bibliothek und wertest da einige zehntausend Kataloge aus, dann wären wir, weil wir ja die allermeisten vorhandenen 70 Kreuzer schon registriert haben, bei 1.000 ungebrauchten Exemplaren.
Die Exemplare, die nur in Vorkriegskatalogen belegt sind, können wir nur zur Hälfte rechnen, weil sie ja vielleicht in den 750 verschollenen Exemplaren (siehe oben) schon berücksichtigt wurden. Die können wir natürlich nicht alle doppelt zählen.
Wenn Du schon mal in München bist, rufst Du bei Maria oder Franz an und fragst die beiden höflich, ob Du nicht die ganzen Pfenninger-Unterlagen einsehen kannst, da könntest Du auch etliche noch nicht registrierte finden.
Wenn Du alles erledigt hast, buchst Du Dir so einen Billigflug für 150 € mit Wizzair nach London-Luton. Die Royal hat alle bedeutenden internationalen Kataloge in ihrem Bestand. Das weiß ich deshalb, weil der frühere Präsident der Royal, Chris King, mir mal geschrieben hat, sie hätten eigentlich alle bedeutenden Auktionskataloge, bis auf meine. Da habe ich denen in 5 schweren Paketen meine 100 Kataloge geschickt und aus Dankbarkeit haben sie mich zum Fellow der Royal (FRPSL) ernannt. Das ist eine Art Titel wie Dipl. Ing. oder Magister, den man bei passender Gelegenheit wie einen Orden tragen kann.
Jetzt wären wir, wieder seriös geschätzt, bei 1.200 nachgewiesenen Exemplaren, und das reicht natürlich noch nicht.
Deshalb setzt Du Dich an Deinen Computer und schreibst eine Mail an alle bekannten Postmuseen in aller Welt. Die UPU-Mitglieder haben ja immer ihre Marken ausgetauscht und das könnte auch schon 1875 gewesen sein.
Als ich jung war, habe ich alle Postmuseen in den verschiedenen Hauptstädten besucht, wenn ich gerade da war und Zeit hatte: also in Brüssel, Amsterdam, Budapest, Madrid, Wien usw. usf. Und was soll ich Dir sagen: alle hatten eine Philatelie-Abteilung und die Marken und Briefe waren damals in großen Holzschränken mit zahllosen kleinen Schubladen unter Glas untergebracht, und man konnte sie sich ansehen. Ob das heute wegen der Terroristen und Clandiebe anders ist, das weiß ich nicht. Auf jeden Fall könnten auf diese Art nochmals 50 Exemplare zusammenkommen, die ja begreiflicherweise nie im Handel waren!
Du hättest also, genauso wie die Prüfer, noch einige Jahre zu tun, um dann zu keinem Ergebnis zu kommen. Aber man soll bekanntlich nie sagen, dass es etwas nicht gibt. In unserem Fall also ein Ergebnis im Sinne des Erreichens der nachweislich 2.000 ungebrauchten 70 Kreuzer. Nimm Dir die Lachse als Vorbild!