Autor Nachricht

Administrator

(Administrator)

Hallo liebe Teilnehmer,

herzlich willkommen in diesem neuen Thema.

Versucht beim Schreiben immer sachlich zu bleiben. Drückt euch klar aus, damit jeder Leser versteht, ob ihr Fachwissen teilt oder eure Meinung zu einem Thema sagt.

Verzichtet auf Kommentare über andere Teilnehmer. Kommentiert gerne die Aussagen anderer. Wir wollen über Philatelie diskutieren und nicht über Philatelisten freuen

Wir wünschen viel Freude am Hobby Philatelie!
05.02.11, 08:10:21

carolinus

(Mitglied)

Die Hannoversche Postspedition

Ohne Wissen der Visitation und des Amts Bergedorf fuhr der Reihefahrer Hermann Krogmann um das Jahr 1750 wöchentlich zweimal Post über Ratzeburg, das zum Herzogtum Lauenburg und damit zur damaligen Zeit zum Kurfürstentum Hannover gehörte, nach Lübeck. Außerdem beförderte er einmal wöchentlich die Braunschweig. – Lüneburg. Communion-Post. Aufmerksam wurde das Amt auf ihn durch ein vor seinem Haus angebrachtes Postschild. Nach Verhandlungen wurde ihm die Annahme und das Spedieren von Briefen schließlich erlaubt – nicht nur von der Visitation, sondern vom Bürgermeister und Rat der Stadt Hamburg selbst. Das Schild musste allerdings entfernt werden.



In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war man gegenüber der hannoverschen Post häufig nicht so großzügig.

Das oben genannte Datum kann man damit als (offizielles) Eröffnungsdatum der „Königlich Großbritannischen und Churfürstlich-Braunschweigisch–Lüneburgischen“ und ab dem 20.04.1802 „Königlich Großbritannisch-Hannoverschen“ Postspedition in Bergedorf ansehen. Hannover war somit der erste fremde Landesposten, der in Bergedorf ansässig war.

Ab 1789 war die Posthalterei im Besitz der Familie Minten, die Besitzer des Gasthofes „Stadt Lübeck“ in Bergedorf waren. In diesem war die hannoversche Spedition auch untergebracht.

Als im November 1806 die Franzosen in Bergedorf einrückten, durfte die Hannoversche Postspedition zunächst weitergeführt werden. Das Schicksal einer sofortigen Auflösung - wie das der Thurn- und Taxisschen - blieb ihr erspart. Erst über drei Jahre später, am 1. März 1810 wurde die hannoversche Spedition in eine „Königlich Westphälische Postexpedition“ umgewandelt. Und nach weiteren neun Monaten wurde aus ihr schließlich ein „Kaiserlich Französisches Postcomptoir“. Erst nach der endgültigen Befreiung Bergedorfs konnte die ursprüngliche hannoversche Postspedition ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Vorgesetzte Dienststelle wurde nach der Besetzungszeit wohl Lüneburg. Hamburg, das vor der französischen Zeit für die Postspedition Bergedorf zuständig war, wurde erst über ein halbes Jahr nach Bergedorf - Ende Mai 1814 - befreit. Vielleicht ist das der Grund für den Wechsel der Zuständigkeit nach Lüneburg. Franz Christoph Minten konnte wahrscheinlich schon im Dezember 1813 die postalische Verbindung mit Hannover über Winsen a. d. Luhe und Lüneburg aufnehmen.

Minten war auch noch Amtsleiter, als in ganz Norddeutschland 1831 die Cholera ausbrach. Zu den Vorsichtsmaßnahmen gehörten Desinfektionsanstalten, die mit Räucherapparaten ausgestattet wurden. Der Verkehr zwischen Bergedorf und Hamburg sowie mit Hannover war aber nur kurze Zeit unterbrochen. Der wichtigste Grenzübergang zwischen Hannover und dem Amt Bergedorf war die Fähre Zollenspieker – Hoopte. Hoopte (heute Stadtteil von Winsen a. d. Luhe) war Desinfektionsanstalt und besaß als hannoverscher Grenzort bereits entsprechende Räuchergerätschaft. Von Bergedorf abgehende Post wurde in Hoopte desinfiziert und erhielt einen „GERÄUCHERT“ – Stempel. Briefe mit diesem Stempel sind ganz große Seltenheiten.

Nach 1840 verlor die Hannoversche Spedition in Bergedorf immer mehr an Bedeutung. Der Grund dürfte vor allem darin zu sehen sein, dass ein neuer Elbübergang bei Harburg mittels einer Dampffähre geschaffen wurde, der für die hannoversche Post sich deutlich rentabler gestaltete. Aufgehoben wurde die Hannoversche Postspedition schließlich am 31. März 1846. Zur Veranschaulichung der geographischen Verhältnisse habe ich eine Karte eingefügt. Hoopte selber ist nicht eingetragen, es liegt gegenüber Zollenspieker am linken Elbufer.


Quelle: Hugo Krötzsch, Handbuch der Postfreimarkenkunde - Altdeutsche Staaten, 1895

Nach der Franzosenzeit erhielt die Hannoversche Spedition einen Bergedorf-Stempel. Es war ein 41,5 mm langer Einzeiler „BERGEDORFF“ (Feuser 237-1). Hinter dem Stempel wurde handschriftlich das Datum notiert. Hinzugefügt wurde außerdem eine sogenannte Sequenznummer, die die laufende Nummer der aufgelieferten und gestempelten Briefe angab.

Auf Grund der Notation dieser Sequenznummer unterscheidet man zwei Perioden: In der ersten des Postmeisters Franz Christoph Minten (1815-1838) wurde die Sequenznummer hinter das Datum gesetzt, in der zweiten Periode des Amtsleiters Franz Ludwig Minten, der nach dem Tod seines Vaters die Stelle des Postmeisters am 9. Januar 1839 annahm, wurde sie vorm Datum notiert.

Aus der ersten Periode sind etwa 65, aus der zweiten etwa 20 Belege bekannt. Die von Knauer festgestellten Stempeldaten liegen zwischen dem 16. 8. 1815 und dem 22. 6. 1845. Sehr selten sind Briefe vor 1831.

Grüße aus Braunschweig, der Stadt Heinrichs des Löwen
05.02.11, 08:11:21
Thema geschlossen
Gehe zu:
Forum Regeln:

Es ist ihnen nicht erlaubt, neue Beiträge zu schreiben.
Es ist ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu erstellen.
Es ist ihnen nicht erlaubt, ihre Beiträge zu bearbeiten.
Es ist ihnen nicht erlaubt, ihre Beiträge zu löschen.


HTML Code ist AUS
Board Code ist AUS
Smilies sind AUS
Umfragen sind AUS

Benutzer in diesem Thema
Es lesen 1 Gäste und folgende Benutzer dieses Thema:
Archiv
Ausführzeit: 0.0238 sec. DB-Abfragen: 13
Powered by: phpMyForum 4.1.4 © Christoph Roeder
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste und erhöhen deinen Komfort. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden! Datenschutzerklärung