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Hallo liebe Teilnehmer,

herzlich willkommen in diesem neuen Thema.

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Wir wünschen viel Freude am Hobby Philatelie!
01.04.12, 21:30:01

Harald_01

(Mitglied)

Hallo!

Heute ist mir zufällig etwas sehr Absurdes im Bereich der höherpreisigen, altdeutschen Philatelie aufgefallen: der Ebay-Anbieter "Vorphila" bietet im wöchentlichen Rhythmus gute AD-Belege an, die auf den ersten Blick auch ordentlich beboten werden. Beim genaueren Hinsehen merkt man jedoch, dass der Handel z.T. mit erheblichen Verlusten für den Anbieter einhergeht. Folgende drei Beispiele sollen das unterstreichen:

1.) seltene Zusatzfrankatur einer Oldenburg-Ganzsache, verkauft bei Reinhard Fischer für 911.-€ zzgl. Aufgeld, wiederverkauft auf Ebay für 337.-€

2.) EF Württemberg 24, verkauft bei Reinhard Fischer für 811.-€ zzgl. Aufgeld, wiederverkauft auf Ebay für 477.-€

3.) MEF Bayern 10a, verkauft bei Christoph Gärtner für 1050.-€ zzgl. Aufgeld, wiederverkauft auf Ebay für 418,58€

Die genannten Beispiele sind sicherlich extrem, jedoch ist zu bedenken, dass ein Geschäftsmodell eigentlich Gewinn abwerfen und nicht Schulden verursachen soll. Allein diese drei Verkäufe verursachen inkl. aller Aufgelder und Ebay-Provisionen einen Reinverlust >2000.-€. Der Händler bietet auch schon seit geraumer Zeit auf Ebay an, ist es also vielleicht einfach nur ein schlechter Verkaufstag gewesen oder gibt es noch andere Erkklärungen?

Viele Grüße,

Harald
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 Bayern_10a_MEF.jpg (34.76 KByte | 6 mal heruntergeladen | 208.58 KByte Traffic)

01.04.12, 21:31:01

Altsax

(Mitglied)

Hallo Harald,

wie das Geschäftsmodell dieses Anbieters funktioniert, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest bei sächsischen Auslandsfrankaturen erzielt er aber Preise, die bei Realauktionen kaum je erreicht werden.

Per Saldo dürfte es also funktionieren. Vielleicht rentiert sich der schnelle Umschlag unter Inkaufnahme einzelner Verlustgeschäfte eher, als bestimmte Stücke jahrelang durchzuschleppen, wie das beispielsweise bei Nordphila zu beobachten ist.

Beste Grüße

Altsax
01.04.12, 21:49:22

vozimmer

(Mitglied)

Hallo Harald, Hallo Jürgen (Altsax)

ich glaube, dass der Verkäufer die Stücke nicht selbst auf den Auktionen kauft und das Geschäftsmodell ein anderes ist. Bei selbst gekauften Stücken würde des eine Systematik geben, die ist sicher nicht vorhanden. wenn es unsystematisch selbst gekauft wäre, dann würde die Systematik eher so aussehen, dass die Stücke vermeidlich günstig im Nachverkauf erworben wurden, dass ist aber auch nicht der Fall. Auch vor Bergedorfbriefen wird nicht halt gemacht. Ein bei Rauhut für ca. 1700 Euro (inkl. Aufgeld) verkaufter Brief ist letztlich für um die 1200 Euro über ebay verkauft worden. Das war nicht zu billig und nicht zu teuer, da der Zustand des Briefes nicht gut war. Verkauft wurde es mit einem neuen Attest, alles sieht sehr fair aus.

Ich gehe davon aus, dass der Verkäufer, wie auch immer, die Stücke erst nach der Auktion erhält und der Verlust oftmals schon vorher realisiert wurde.

Viele Grüße, Volker

Volker Zimmermann, Postgeschichte Bergedorf, Bergedorf-Katalog
01.04.12, 23:03:04

Joerg

(Mitglied)

Das ist aber doch nun sekundär, ob der genannte ebay-Händler da "systematisch" Verlust einfährt oder ein postulierter Dritter.
Auf jeden Fall wird eine bemerkenswerte Anzahl Lose aus Realauktionen relativ kurzfristig zu deutlich niedrigerem Preis bei ebay verkauft.
Daraus folgere ich, dass jemand (egal, ob der genannte ebay-Händler oder ein Dritter oder auch ein viertes, fünftes, sechstes, ... Glied in der Kette)
  • regelmäßig kurz nach Erwerb auf einer Realauktion (über ebay oder Dritte) wieder verkauft
  • dass derjenige dies eventuell aus Gewinnerzielungsabsicht tut - das würde dann zumindest in einem nicht unwesentlichen Teil der Fälle nicht funktionieren
  • dass derjenige eventuell mangelhafte Stücke wieder loswerden will - bei den kurzen Zeitspannen sollte dies aber in aller Regel über den Weg der Reklamation funktionieren
  • dass derjenige dies aus caritativen Absichten tut ("es sollen auch finanziell schlechter gestellte Menschen die Möglichkeit zum Erwerb haben") - das würde dann mindestens zum Teil funktionieren.


Vielleicht fallen jemandem noch weitere mögliche Gründe ein. Fest steht jedenfalls meines Erachtens, dass hier auf dem zeitlich kurzen Weg von der Realauktion zum ebay-Verkauf regelmäßig Verlust eingefahren wird - welchen Grund hat derjenige, der irgendwo in der Kette diesen Verlust trägt, an seinem Verhaltensmuster festzuhalten? Wo ist da ein Geschäftsmodell, das sich für den Geschäftsmann lohnt?
Nehmen wir mal an, dass die 1200 € näher am Marktwert waren als die 1700 € (ich kann es nicht beurteilen). Da freut sich natürlich derjenige, der über ebay mit neuem Attest nah am Marktwert gekauft hat. Da ist natürlich der Händler, der über ebay verkauft hat, fair. Alles keine Frage.
Aber unterwegs hat irgendjemand bei einem Investment von 1700 € einen Verlust von 500 € plus ebay-Gebühren plus Attest-Kösten plus Zeitaufwand eingefahren. Satte 30% Verlust - da könnte man das Geld fast jedem beliebigem windigen Finanzhai anvertrauen, da wäre das Ergebnis auch nicht viel schlimmer. Und erst recht wäre eine Anlage über einen seriösen Finanzberater gewinnbringender.
Warum also tut das jemand?
02.04.12, 07:59:11

Oliver Estelmann

(BPP-Mitglied)

Ist der Einliefer bei der Auktion und bei Ebay auch gleichzeitig Eigentümer der Lose, hält sich der "Verlust" in Grenzen und wer sagt denn, dass nicht vorher auf der Auktion die Lose hochgetrieben wurden, damit sie für Ebay ab einem Euro "interessanter" werden?
Letztendlich sind einmal "erwirtschaftete" Preise auf Auktionen noch lange kein Preisbaramoter, sondern nur eine (nicht verläßliche) Vergleichsmöglichkeit.
02.04.12, 08:34:23

regiduer

(Mitglied)

"Zitat Harald2
Die genannten Beispiele sind sicherlich extrem, jedoch ist zu bedenken, dass ein Geschäftsmodell eigentlich Gewinn abwerfen und nicht Schulden verursachen soll. Allein diese drei Verkäufe verursachen inkl. aller Aufgelder und Ebay-Provisionen einen Reinverlust >2000.-€. Der Händler bietet auch schon seit geraumer Zeit auf Ebay an, ist es also vielleicht einfach nur ein schlechter Verkaufstag gewesen oder gibt es noch andere Erkklärungen?

Viele Grüße,

Harald

Wenn man ganz böse denkt, könnte man auf die Idee kommen, das hier der gute Ruf des Händlers mißbraucht wird um Schwarzgeld zu waschen ?
Irgendjemand erwirbt die Stücke auf Realauktionen cash
und läßt sie dann per ebay verkaufen. Da sind 30% Verlust doch noch ein guter Deal, wenn es dann sauberes Geld ist.
In dieser Branche erwartet wohl der Fiskus kaum schwarze Schafe...
Wie gesagt, ich will keinem was unterstellen, war nur eine weitere Möglichkeit diese Verkaufspraktik zu erklären.

mfg regiduer
02.04.12, 08:52:23

Alexander Zill

(BPP-Mitglied)

Hallöle,

mal abgesehen davon, daß ggf. eine Mischkalkulation ggf. doch noch für Gewinne sorgt: Geld sauber machen ist ein genauso banaler wie erfolgreicher Weg wie z.B. auch die Tatsache, daß sich schlicht jemand verspekuliert hat und nun seine Schätze schnell wieder zu Geld machen muß. Auch das kommt leider vor....die Zeiten sind unruhig.
Und dann gibt es noch sicherlich eine Reihe illegaler Möglichkeiten, die ich einem seriösen Händler nicht unterstellen will.

Grüße

alexx
02.04.12, 08:59:43

Fehldruck

(Mitglied)

Im Moment ist auf die drei Artikel ein Höchstgebot eingegangen. (Zwei Bieter haben doch einige Gebote beim Verkäufer abgegeben.) Nun kann beobachtet werden, ob es auch zur Bewertung kommt. Falls nicht deutet dies insbesondere darauf hin, dass Verkäufe rückgängig gemacht wurden und die Provision bei ebay zurück geholt wurde. (Es klappt halt nicht immer...)

Meine Vermutung- die Artikel tauchen bei ebay oder bei Saalauktionen zu höheren Festpreisen irgendwann wieder auf.

Fehldruck
02.04.12, 09:27:01

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 02.04.12, 11:02:04

Hallo zusammen,

es ist immer wieder zu beobachten, daß auf einer Auktion zugeschlagene Lose auf einer der nachfolgenden des selben Auktionshauses wieder angeboten werden, ohne daß erkennbarer Anlaß für eine Reklamation bestanden hätte. Die Gründe können vielfältig sein. In der Regel hat wohl der erfolgreiche Bieter nicht gezahlt.

Volkers Idee, daß sich ein Händler auf den Ankauf solcher Lose spezialisiert und damit dem Auktionator ein zweites Angebot erspart, erscheint in diesem Zusammenhang plausibel.

Gemeinsam ist den hier vorgestellten Belegen wie auch den mir bekannten, daß es sich nicht um "Katalogware" handelt, also kein "Marktpreis" im engeren Sinne existiert.

Letztlich zeigt dieses Beispiel wieder einmal, daß viele der am Markt erzielten Preise eher etwas mit der jeweiligen Bieterkonstellation als mit einem objektivierbaren aktuellen "Wert" zu tun haben.

Von Interesse ist in diesem Zusammenhang übrigens die Maßnahme der Auktionshäuser Corinphila und Köhler, Zuschläge von einer gewissen Höhe an von einem Wirtschaftsprüfer bestätigen zu lassen. Damit soll potentiellen Einlieferern die Sicherheit gegeben werden, daß nicht mit Scheinzuschlägen Spitzenergebnisse vorgegaukelt werden. Für eine derart kostenträchtige Maßnahme dürfte es konkrete Gründe geben!

Beste Grüße

Altsax
02.04.12, 09:31:51
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