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Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo Johannes,

leider sehe ich deinen Beitrag erst heute. Die Scans gehen mit der freien Software Vuescan. Die Bedienung ist seltsam, aber ab hier erklärt:

https://www.stampsx.com/forum/topic.php?id=1311&goto=283462

Je nach Markendruckfarbe, kann man eben auch unter Umständen, auf sehr dunklen Druckfarben schwarze Stempelabschläge fast freistellen. Leider gibt es auch Druckfarben, die unter Infrarot praktisch schwarz reagieren. Das sieht man ja auch mit allen anderen Methoden. Vor etwa 20 Jahren hatte ich mir so eine Sony Nightshot Videokamera gekauft. Dazu die Infrarotlampe von Sony. Diese Lichtquelle geht auch heute noch mit praktisch jedem Handy oder jeder Digitalkamera.

Zum V500: mit dem Bleistifttest kannst du ja sehen, welche von den Bildschirmausgaben tatsächlich der Infrarotkanal ist. Die Wellenlänge verrät Epson leider nicht. Ich kann das aber später einmal ausmessen. Die normale Lichtquelle hat natürlich schon ein weites Spektrum und ich weiß nicht, wie ich nur die IR-Lichtquelle anschalten kann. Da müsste man spezielle Software für den Scanner schreiben. Prinzipiell geht das sicherlich. Die jeweiligen Steuerbefehle sind leider nicht einfach frei zugänglich.

Ich muss erst noch Aufträge abarbeiten, dann die Software für Spektrometer fertig machen (geht zwischen 200nm und ungefähr 1300nm). Das wird Monate dauern und ich hoffe, bei Ende April, zur Messe in Essen fertig zu sein. Falls ich zwischendurch ein Messergebnis habe, werde ich es hier schreiben.

Mein V500 ist zwar eingemottet, aber mit dem V550 und dem V600 werde ich wohl die gleichen Werte bekommen.

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
13.10.18, 16:22:26

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

ich will in dem Thema einmal weitermachen und ein paar Grundbegriffe erklären. Ein Punkt jeder umfassenden Prüfung ist die Suche nach Merkmalen der Struktur der Stempelkissenoberfläche.

Ein übliches Stempelkissen hat einen Deckel gegen austrocknen der Stempelfarbe und innen einen dichten Behälter, gefüllt mit Filz, Stoffstücken, Schaumgummi oder ähnlichem Material, welches Flüssigkeiten speichern kann.

Über diesem Material ist an der Oberfläche ein Textil- oder Kunststoffgewebe. Je nach dem Material des "Tanks" und der Oberfläche, entstehen unterschiedliche Stempelabdrucke. Genauso entscheidend ist die Stempelfarbe selbst, das Material des Geräts, die Flexibilität der Unterlage und die Andruckstärke. Wer erkennen kann, welches Bild durch welchen Umstand hervorgerufen wurde, ist sehr im Vorteil.

Im ersten Bild ist das Gerät, ein alter Gummistempel der Post mit dem Wort "ZURÜCK". An der Oberfläche hat sich der Weichmacher verflüchtigt und so sind fein Risse entstanden. Diese Risse sind allerdings so fein, dass sie auf Abschlägen nicht zu erkennen sind.

Im nächsten Bild ein Stempelkissen in mittlerer Größe der Firma Horse. Das hat eine Textiloberfläche, wohl ein feineres Leinengewebe. Ein Abschlag aus dem schon länger eingetrockneten Stempelkissen sieht so aus, wie auf dem vierten Bild. Die Struktur der Oberfläche bestimmt das Bild. Das Wort "ZURÜCK" ist ca. 27 mm breit.

Auf dem nächsten Bild der Abschlag aus einem kleineren Horse-Stempelkissen. Diesmal gut getränkt, für saubere Abschläge. Andere Faserbereiche färben hier den eingetupften Stempel ein. Wer keine Spuren sehen kann, sollte im "Ü" unten anfangen zu suchen.

Unten noch die Gewebestruktur des eingetrockneten Horse-Stempelkissens im Detail. In welchem Winkel die Struktur auf dem Abschlag steht, hängt natürlich von dem Winkel ab, in dem der Stempel beim Eindrücken in das Stempelkissen gehalten wurde. Bei mehrfachem eindrücken zählt das letzte Eindrücken des Stempelgeräts auf das Stempelkissen.

Im nächsten Beitrag zeige ich Abschläge aus einem Pelikan-Stempelkissen.
Dateianhang (verkleinert):

 Stempel-ZURÜCK-alter-Gummistempel-3500pxb-80q.jpg (936.12 KByte | 7 mal heruntergeladen | 6.4 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Stempelkissen-Horse-Nr-2-China-um-2015-80q.jpg (971.21 KByte | 7 mal heruntergeladen | 6.64 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Stempelkissen-Horse-Nr-2-China-um-2015-Abschlag-Gummistempel-Post-3534-80q.jpg (627.15 KByte | 2 mal heruntergeladen | 1.22 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 Stempelkissen-Horse-Nr-2-China-um-2016-Abschlag-Gummistempel-Post-schwarz.jpg (915.24 KByte | 5 mal heruntergeladen | 4.47 MByte Traffic)

Dateianhang:

 Horse-mittel-1-zu-1-P1080392.jpg (301.28 KByte | 3 mal heruntergeladen | 903.83 KByte Traffic)


J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
24.07.19, 18:56:53

Juergen Kraft

(Mitglied)

nehmen wir ein anderes modernes Stempelkissen. Diesmal von Pelikan, schon etwas älter und jahrelang nicht mehr in der Hand gehabt. Die Textiloberfläche ist dem vorherigen sehr ähnlich.

Zunächst ein Abschlag aus dem völlig vertrockneten Teil, danach einer aus dem Randbereich, vielfach eingefärbt. Bei dem Abschlag sehen wir ein anderes Phänomen. Statt außen einen dunkleren Quetschrand zu sehen, haben wir einen fast farblosen Quetschrand. Ein häufiges Merkmal falscher Abschläge, das ausnahmsweise auch bei echten Abschlägen auftreten kann.

Zuletzt ein Abschlag aus einem Stempelkissen der Firma SOLI. Die haben eine runde Forum und sind eigentlich für Spezialstempelfarben gedacht. Die sind nicht öl- oder wasserbasiert, sondern basieren auf unterschiedlichen Lösungsmitteln, um auf Glas oder Kunststoff stempeln zu können. Die Oberfläche ist sehr fein strukturiert.

Dieser nun völlig andere Abschlag zeigt sogar dunkle Quetschränder an den zu erwartenden Stellen. Die feine Struktur finden wir aber auch. Diesmal auffällig am Fuß des "Z" unten links.

Andere Streifen sind durch einen Umstand verursacht, den man nicht vermuten kann. Das Kissen ist mit Spezialfarbe getränkt gewesen, aber völlig eingetrocknet. Lösungsmittel verdunstet schnell. Ich habe also mit einem groben Pinsel das passende Lösungsmittel, kurz vor dem tränken des Stempels, aufgestrichen. Die Spuren davon kann man aus der Pigmentverteilung erahnen. Besonders leicht auf dem kleineren Vorschaubild zu erkennen. Streifenförmig, leicht gebogen, sind Stellen besser oder schlechter pigmentiert.

Im Beitrag zu dem Baden K2 von STEINEN hatte ich auf die unpassende Struktur der Stempelkissenoberfläche hingewiesen. Ich wurde per E-Mail darauf hingewiesen, dass nicht jeder verstanden hat, worum es dabei geht.

Fazit: Regelmäßige Muster in der Pigmentverteilung rühren überwiegend aus der Struktur der Stempelkissenoberfläche. Sie können ein Ausschlusskriterium für Echtheit sein und sind deshalb besonders wichtig.
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Dateianhang (verkleinert):

 SOLI-Stempelkissen-extrem-feine-Struktur.jpg (1.09 MByte | 8 mal heruntergeladen | 8.68 MByte Traffic)


J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
24.07.19, 19:30:20

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

hier nun auch noch ein praktisches Beispiel der Stempelkissenoberflächenstruktur, hervorgerufen durch einen echten Abschlag. Unten links im Außenkreis sieht man auf den 5 Pf. Posthornmarken, die dicken Fasern eines alten Stempelkissens. Im unteren Bild ein Abschlag von einer Stempelimitation mit schiefen Buchstaben und lustigen Zahlen. Die Sehnenbrüche sind auch "geheilt".



J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
05.08.19, 19:42:55

Altsax

(Mitglied)

Zitat von Juergen Kraft:
Ich wurde per E-Mail darauf hingewiesen, dass nicht jeder verstanden hat, worum es dabei geht.

Fazit: Regelmäßige Muster in der Pigmentverteilung rühren überwiegend aus der Struktur der Stempelkissenoberfläche. Sie können ein Ausschlusskriterium für Echtheit sein und sind deshalb besonders wichtig.


Hallo Jürgen,

erklärungsbedürftig ist der Begriff "Ausschlußkriterium". Er erweckt den Eindruck, daß bestimmte, mutmaßlich vom Stempelkissen herrührende Strukturen bereits ausreichen können, die Originalität eines Abschlages auszuschließen.

In dieser Allgemeinheit ist das definitiv nicht zutreffend.

Es gibt sicherlich extreme Einzelfälle, in denen sich eine solche Feststellung machen läßt, so wie es auch (deutlich häufiger!) Fälle gibt, in denen bereits die verwendete Stempelfarbe ein K.O-Kriterium ist.

In aller Regel kann man beide Kriterien aber lediglich im Rahmen einer vergleichenden Prüfung mit zeitnahen Originalabschlägen einsetzen, weil nie völlig auszuschließen ist, daß "unübliche" Stempelkissen oder -farben bei einer Postanstalt Verwendung gefunden hatten.

Ich wundere mich immer wieder über von Prüfern als echt signierte oder befundete Marken, deren Stempel definitiv nicht einem bestimmten Gerät zuzuordnen sind (gemeint sind natürlich nicht "im Block" geprüfte modernere Marken). Solche Prüfungen basieren offenkundig auch auf der Annahme, daß allein die Makro- bzw Mikrostruktur der Stempelfarbe für eine Prüfung ausreicht.

Solchen Überzeugungen sollte man nicht Vorschub leisten.

Beste Grüße

Jürgen
06.08.19, 14:16:12

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo Jürgen,

ich glaube nicht, den Eindruck zu erwecken, mutmaßlich vom Stempelkissen herrührende Strukturen würden bereits ausreichen die Originalität eines Abschlages auszuschließen. Ich schreibe ja auch extra "können" dazu. Ich beziehe mich ja auf die gezeigten Bilder. Die beiden "Pelikan"- und der obere "Horse"-Abschlag reichen allerdings aus, falls echte Abschläge immer so aussehen würden, wie der "SOLI"-Abschlag.

Regelmäßige Muster in der Pigmentverteilung, zumal über einen ganzen Abschlag wie im Bild oben beim Wort "ZURÜCK", rühren dabei praktisch zu 100% aus der Struktur der Stempelkissenoberfläche. Das dürfte an den Beispielbildern in den Beiträgen oben, auch gut nachvollziehbar sein. Was ich nicht erwähnte, weil ich es für selbstverständlich halte, ist der Hinweis darauf, wie zweifelsfreie Vergleichsstücke aussehen. Es ist ja auch gut möglich, dass die echte Struktur so verwegen aussieht. Im vorletzten Beitrag, mit dem Beispiel HAMBURG 39, sieht man auf dem Bild mit der Stempelfälschung beispielsweise einen schmalen, schlangenlinienförmigen Außenkreis. Der entsteht so bei Stempelimitationen aus relativ hartem Gummi. Die verwendete Stempelfarbe ist feiner pigmentiert, als die Originalfarbe.

Ich habe das Beispiel gewählt, weil die Stempelfälschung zwar gut aussieht, aber mittels der hier bereits vermittelten Kenntnis doch problemlos erkennbar sein sollte.

Was auch selbstverständlich ist, wir brauchen für eine Stempelprüfung nicht nur ein echtes Vergleichsstück, sondern möglich viele. Eine Fälschung zu erkennen ist einfacher, wenn man mehrere desselben Falschstempels hat. In der Stempeldatenbank (Klick auf die 5 Pf. Posthorn) sind die beiden Bedingungen erfüllt.

Ich hoffe klargestellt zu haben, was ich mit Ausschlusskriterium meine. Im eigentlichen Sinn meine ich den Vergleich zwischen zweifelsfrei echten Abschlägen und Prüfstücken. Ich betone auch, dass es ein Ausschlusskriterium sein kann und nicht muss. Sehe ich weder beim Vergleichsstück noch beim Prüfstück einen Hinweis auf eine Struktur der Stempelkissenoberfläche, habe ich auch kein Ausschlusskriterium. Die Grundvoraussetzung beschreibe ich doch auch: "Regelmäßige Muster in der Pigmentverteilung". Die habe ich auf markanten Beispielbildern gezeigt. Kein regelmäßiges Muster wäre eine 1 cm kurze Zickzacklinie. Mit regelmäßig meine ich im engsten Sinn ein Muster über den gesamten Abschlag.

Was du in den letzten beiden Absätzen schreibst, teile ich vollständig. Immer wieder kritisiere ich, dass Stempel als echt attestiert werden, ohne das Gerät benennen zu können. Unter Umständen kann es aber doch genügend Indizien für echt oder falsch geben. Auch in dem Punkt kann man nicht verallgemeinern.

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
06.08.19, 16:40:56

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

ein interessantes Phänomen zeigt sich auf der folgenden Dänemark 1851, 2 RBS "Ferslew", Platte I, Type 9, Feld 93 (große Retusche, Facit 1Iv4) mit "Target" einem Vierringstempel mit Punkt.

Der Unterdruck, der wie schon der Name sagt, unter dem blauen Druck der Markenzeichnung liegt, ist so erhaben, dass der leichte Stempelabschlag stellenweise nur auf der Erhöhung des Unterdrucks abgeschlagen ist. Ein schöner Beleg dafür, dass solche Strukturen nicht nur von der Stempelkissenoberfläche stammen können, sondern auch von der Unterlage herrühren können. Solche Abschläge kommen sicher nur äußerst selten vor, auf dieser Marke allerdings häufiger.


J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)
21.02.20, 16:17:21
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