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19.03.13, 21:39:59

balf_de

(Mitglied)

Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei der enggezähnten roten 3-Kreuzer-Marke von 1862 um die meisterforschte badische Briefmarke, zu der es aber nach wie vor unterschiedliche Theorien gibt, was ihre Auflage anbetrifft.

Merkwürdig ist auch die Tatsache, dass die Nummerierung im Michel-Katalog – und allen anderen mir bekannten Katalogen – bei dieser Marke die chronologische Reihenfolge nicht richtig wiedergibt: sie müsste statt der Nummer 16 eigentlich die Nummer 13 erhalten, da sie vor den 6- und 9-Kreuzer-Marken der Zwischenausgabe (Nr. 14 und 15) an die Postämter ausgeliefert wurde.

Von Lindenberg („Die Briefmarken von Baden unter Benutzung amtlicher Quellen, bearbeitet von C.Lindenberg“ Verlag von Dr. H. Brendicke, Berlin 1894 ) wissen wir, dass es im Jahr 1862 zwei Beweggründe für eine Veränderung der badischen Briefmarken gab. Die preußische Postverwaltung hatte angeregt, dass alle Staaten des DÖPV einheitliche Farben für ihre Marken mit gleichem Wertbetrag einführen sollten, um so die Kontrolle des richtigen Portos länderübergreifend zu erleichtern.

„Es waren herbei nur die Wertbeträge, welche die 3 Taxstufen darstellten, in Aussicht genommen, und zwar sollten die Marken zu 1 Sgr. (3 Kr. Rheinisch, 5 Neukr. Österr., 1 ½ Schill. Mecklenburgisch, 2 Schill. Hamburgisch und Lübisch, 3 Grote Bremisch, 12 ½ Centimes Luxemburgisch) rot, die zu 2 Sgr. etc. blau und die zu 3 Sgr. etc. dunkelbraun sein.“

Den zweiten Beweggrund für eine Änderung beschreibt Lindenberg so:

„Neben dieser Farbänderung trat aber auch das Bedürfnis nach einer Änderung der Zeichnung hervor. Es hatte mehr und mehr die Einsicht Platz gegriffen, dass der schraffirte Untergrund das Wappen gar zu schlecht hervortreten lasse, und damit der Schönheit der Marken Abbruch thue.“

Demzufolge wurde der Graveur Kurz in Frankfurt beauftragt, die Schraffierung aus den Satzstücken zu entfernen. Gebraucht wurden zunächst nur die Stempel der 3-Kreuzer-Marke (MiNr. 10); die zum Druck der 6- und 9-Kreuzer-Marken (Nr. 11 und 12) waren weniger stark abgenutzt und konnten weiterverwendet werden.

Dem Mannheimer Handelsverein ist es zu verdanken, dass im Jahr 1862 auch höhere Nennwerte als 9 Kreuzer in Auftrag gegeben wurden. Auf dessen Initiative im Juli 1861 hin wurden bei Kurz auch Satzstücke für 18- und 30-Kreuzer-Marken in der neuen nicht schraffierten Version bestellt.
Folgt man Lindenberg, so erhielt die Hofdruckerei Hasper am 31. Dezember 1861 einen großen Druckauftrag:

20.000 Blatt zu 1 Kreuzer in schwarz,
60.000 Blatt zu 3 Kreuzer in cochenillelack,
10.000 Blatt zu 6 Kreuzer in berlinerblau,
10.000 Blatt zu 9 Kreuzer in umbra,
2.000 Blatt zu 18 Kreuzer in hellchromgün,
2.000 Blatt zu 30 Kreuzer in zinnoberrot (bzw. später dunkelchromgelb)
Von diesen Marken wurden die zu 3, 18 und 30 Kreuzer von den neuen Satzstücken, die zu 1, 6 und 9 Kr. noch von den alten Satzstücken, bei denen das Wappen auf schraffirtem Grund stand, gedruckt“


Ein gewaltiger Druckauftrag für den guten Hofdrucker Hasper – über 10 Millionen Briefmarken waren per Handpressendruck fertigzustellen. Besonders eilig war dabei die Auslieferung der 3-Kreuzer-Marken mit den neuen Satzstücken, weil hier die Vorräte zur Neige gingen. Deshalb wurde mit dem Druck dieser Marken begonnen.
Nachdem am 26. März die ersten 2.000 Blatt abgeliefert waren, gab die „baden-württembergische“ Durchlochungsmaschine (gemeinsam mit der württembergischen Post für 1285 fl. 35 Kr. in Österreich gekauft) wieder einmal ihren Geist auf. Diesmal packte man das Problem der häufigen Störungen an der Wurzel an: die viel zu dünnen Perforationsnadeln, die häufig brachen und die Maschine lahmlegten, wurden kurzerhand durch stabilere – dickere - ersetzt. Erst nach dieser Unterbrechung, am 4. Juli 1862, fand die nächste Ablieferung von 4.000 Blatt der 3-Kreuzer-Marken statt.

Und das war jetzt schon die weit gezähnte Michelnummer 18.

Amtlicherseits gibt es bezüglich der veränderten Zähnung der Marken keinerlei Verlautbarung; anders als heute hielt man dies damals nicht für erwähnenswert.

Bis heute sind viele Sammler skeptisch, ob diese relativ kleine Zahl – 200.000 Marken – richtig ist. Im Vergleich zu Marken mit ähnlicher Auflage wie z.B. den 18- und 30-Kreuzer-Marken sind deutlich mehr Briefe und insbesondere lose gestempelte Marken erhalten geblieben. Bedenkt man aber, dass von den hohen Nennwerten große Anteile ungebraucht blieben und z.T. vernichtet wurden, während die Nummer 16 fast vollständig verbraucht wurde – ganze 63 ungebrauchte Exemplare registrierte der Baden-Prüfer Englert im Jahr 1994, so relativieren sich die Zahlen deutlich. Auch sind aufgrund der hauptsächlichen Verwendung der hohen Nennwerte für Auslandspost sicher mehr Briefe und Marken verloren gegangen als bei der im Inland verbliebenen Post. Und last but not least gibt es bekanntlich auch reichlich nachgezähnte Fälschungen aus der Nummer 18 ….

Die Arbeitsgemeinschaft Baden führt ein sehr umfassendes Archiv der bekannten Belege aller besseren Frankaturen. So sind aktuell etwa 100 Einzelfrankaturen mit der Nummer 16 registriert. Dazu kommen 66 Bunt- und Mischfrankaturen bzw. Zusatzfrankaturen auf Briefumschlägen.

Einer anderen Statistik ist zu entnehmen, dass nur in 101 der insgesamt 177 badischen Postagenturen die enggezähnten 3-Kreuzer-Marken vorkommen.

Ein kleines Briefstück kann ich zeigen, dessen Uhrradstempel „7“ man wegen des beigefügten Stempels der Postexpedition Heidelberg dem Briefkasten am Mönchhof im heutigen Stadtteil Neuenheim zuordnen kann.

Mein Brief mit einer Einzelfrankatur ging am 26. September 1862 aus Heidelberg nach Pforzheim. Portorichtig nach dem Tarif von 1859: Briefe über 3 - 10 Meilen = 3 Kr.
Dateianhang (verkleinert):

 16 Briefstück Uhrrad 7.jpg (218.37 KByte | 14 mal heruntergeladen | 2.99 MByte Traffic)

Dateianhang:

 16 HD-Pforzheim 1862.jpg (182.04 KByte | 12 mal heruntergeladen | 2.13 MByte Traffic)

Dateianhang:

 16 HD-Pforzheim 1862 RS.jpg (199.05 KByte | 5 mal heruntergeladen | 995.24 KByte Traffic)

19.03.13, 21:40:59

carolinus

(Mitglied)

Zitat von balf_de:
Die Arbeitsgemeinschaft Baden führt ein sehr umfassendes Archiv der bekannten Belege aller besseren Frankaturen. So sind aktuell etwa 100 Einzelfrankaturen mit der Nummer 16 registriert. Dazu kommen 66 Bunt- und Mischfrankaturen bzw. Zusatzfrankaturen auf Briefumschlägen.


Hallo balf_de,

Danke für deinen interessanten Bericht zu dieser Marke. Gern führe ich noch den Link zur ARGE Baden zu dieser Marke an.

ARGE Baden - Baden Nr. 16

Viele Grüße,
carolinus

PS. In einwandfreier Erhaltung, gut zentriert und mit schönem Stempel suche ich die Marke immer noch. Besonders die Zähnung ist problematisch, wie bei den anderen eng gezähnten Badenmarken. Bei Zahnfehlern wurde hier oft nachgezähnt.

Grüße aus Braunschweig, der Stadt Heinrichs des Löwen
20.03.13, 07:14:53

balf_de

(Mitglied)

Hallo Carolinus,

Zitat von carolinus:
PS. In einwandfreier Erhaltung, gut zentriert und mit schönem Stempel suche ich die Marke immer noch. Besonders die Zähnung ist problematisch, wie bei den anderen eng gezähnten Badenmarken. .....

Wem sagst Du das!
Aber wenn die "Durchlochungsmaschine" nicht so fehlerhaft gearbeitet hätte, gäbe es die Nummer 16 nicht sondern eine enggezähnte Nummer 18 ...

In der Stempeldatenbank habe ich einige bis dahin fehlende badische Nummern aus meiner Sammlung "Nummernstempel auf der Nummer 18" zugefügt. Unter diese Marken hat sich auch eine falsche Marke "eingeschmuggelt". Bitte, sieh Dir dort einmal die Nummer 58 - Heiligenberg - genauer an! zwinkern

Hier ist die Rückseite: Herr Pfenninger war offensichtlich mit der Zähnung ganz zufrieden.

Viele Grüße
balf_de (Alfred)
Dateianhang:

 ST.58 RS.jpg (66.43 KByte | 18 mal heruntergeladen | 1.17 MByte Traffic)

22.03.13, 17:42:39

sodrei

(Mitglied)

geändert von: sodrei - 23.03.13, 19:01:31

Hallo Sammlerfreunde

hier einen Baden Nr. 16 eng gezähnt.

Mit schöner / guter Zähnung - dafür leichter Briefbug.
siehe auch Befund Stegmüller

beste Sammlergrüße

Harald /sodrei
Dateianhang (verkleinert):

 Sammlung Test.jpg (283.52 KByte | 40 mal heruntergeladen | 11.07 MByte Traffic)

23.03.13, 18:59:13

balf_de

(Mitglied)

Einen Nummer-16-Brief kann ich noch zeigen:

er ging Ende Januar 1863 von Heidelberg ins bayerische Immenstadt. Frankiert wurden die erforderlichen 9 Kreuzer für den dritten Entfernungsrayon im Postverein mit einer MiNr. 11b und der Nummer 16. (Auch hier lobt Stegmüller die Zähnung der Frankatur)

Siegelseitig sind Fragmente von badischen und Württemberger Bahnpoststempeln sowie der Ankunftstempel aus Immenstadt vom 30. Januar erkennbar.
Dateianhang:

 11b,16 HD-Bayern 1863.jpg (210.83 KByte | 10 mal heruntergeladen | 2.06 MByte Traffic)

Dateianhang:

 11b,16 HD-Bayern 1863 RS.jpg (185.27 KByte | 4 mal heruntergeladen | 741.08 KByte Traffic)

Dateianhang:

 11b,16 HD-Bayern 1863 Ausschnitt.jpg (77.21 KByte | 9 mal heruntergeladen | 694.85 KByte Traffic)

25.03.13, 17:52:54

Juergen Kraft

(Mitglied)

Hallo,

hier im Bild eine der Möglichkeiten, eine falsche Baden Nr. 16, 3 Kreuzer, weißer Grund, mit enger Zähnung herzustellen.



Die Ränder der Marke sind angesetzt, die ursprüngliche weite Zähnung ist also überspachtelt. Fehlende Bildteile sind handgemalt und die "Zähnung" ist mit einem besonders dümmlichen Gerät gemacht, das wie ein gerades Gebiss aussieht. Das ergibt dann die Zungenform, statt einer Trennung an gestanzten Löchern.

Die primitive Fälschung endet heute, am 8.5.2016 am frühen Abend. Der gewerbliche Anbieter mineralix hat offenbar keine großen Kenntnisse über Briefmarken.

361546638195 | eBay-Artikel aus dem Cache zeigen

J. Kraft
Mitglied AIJP (Association Internationale des Journalistes Philatéliques)

Liste der Sonderzeichen zum Einkopieren

08.05.16, 11:35:18

carolinus

(Mitglied)

Zitat von Juergen Kraft:
Der gewerbliche Anbieter mineralix hat offenbar keine großen Kenntnisse über Briefmarken.


Hallo Jürgen, ob er Kenntnisse hat oder nicht, spielt keine Rolle. Baden 18 kann man en gros einkaufen. Manipulationen in der Zähnung gibt es in Hülle und Fülle.
Es reicht doch aus, sowas anzubieten. In eBay schlagen sich "Experten" darum.

Wir sollten diesen informativen Thread über die Baden 16 von balf_de aber nicht mit diesem abartigen Produkt verwässern. Es geht hier um echte Baden 16.


Grüße aus Braunschweig, der Stadt Heinrichs des Löwen
08.05.16, 11:51:29

stampsteddy

(Mitglied)

geändert von: stampsteddy - 08.05.16, 12:43:55

Hallo,

kleines stampsteddy mag aus seinem Archiv auch eine echte MiNr. 16 hier hinterlegen. Fotokurzbefund Stegmüller BPP "einwandfrei"

Dieses einwandfreie Exemplar zeigt auf der Markenrückseite sogar etwas durchschlagende Druckfarbe. Ferner war ich von der sehr schönen Zähnung begeistert. Die Marke hatte ich innerhalb einer gut besetzten, bis in die 1980er-Jahre zusammengetragenen Sammlung gekauft.

Das Kabinettstück wurde bereits erfolgreich im November 2015 versteigert, bei Ausruf 170.- erfolgte der Zuschlag in der 146. Dr. Reinhard Fischer Auktion bei Euro 175.-

MfG
Markus
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 Baden-16-001.jpg (396.6 KByte | 6 mal heruntergeladen | 2.32 MByte Traffic)

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 Baden-16-003.jpg (210.21 KByte | 4 mal heruntergeladen | 840.83 KByte Traffic)

08.05.16, 12:36:25

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo,

die von MiNr. 18 auf 16 verfälschte Marke hat Euro 42,50 auf ebay erbracht. Es waren zahlreiche verschiedene Bieter mit ihren Geboten dabei, vermutlich würde nicht ein einziger von diesen einen halbwegs angemessenen Preis für eine echte, sich in ordentlicher Qualität befindlichen MiNr. 16 bewilligen.

Es bleibt abzuwarten, ob der Anbieter dann auch eine positive Bewertung, für die vermutlich schnelle Lieferung und die tolle Marke, vom Käufer erhält.

Neben Jürgen Kraft bin auch ich der Meinung, dass dieser Art Informationen ebenfalls in diesen Thread zu MiNr. 16 gehören. Wohin sonst?

MfG
Markus
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 ebay-361546638195.jpg (131.88 KByte | 13 mal heruntergeladen | 1.67 MByte Traffic)

Dateianhang (verkleinert):

 ebay-361546638195-Gebote.jpg (111.55 KByte | 14 mal heruntergeladen | 1.53 MByte Traffic)

08.05.16, 21:17:15
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