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Hallo liebe Teilnehmer,

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31.10.14, 15:19:52

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 31.10.14, 15:23:57

Hallo zusammen,

anlässlich eines vor wenigen Tagen erfolgten Besuches in der Forschungsabteilung des National Postal Museums in Washington wurde mir u.a. das Verfahren der Spektralanalyse von Briefmarken vorgeführt. Es funktioniert selbstverständlich ohne Materialentnahme und liefert erstaunlicherweise (für mich) nahezu identische Ergebnisse unabhängig vom auf der Marke gewählten Messfeld.

Man bekommt als Ergebnis ein Diagramm mit der stofflichen Zusammensetzung von Papier und Druckfarbe, das Rückschlüsse auf die entsprechenden Mengenanteile zulässt.

Vorgeführt wurde das Verfahren mit amerikanischen Stichtiefdruckmarken, also solchen mit dünnen Farbstrichen sowie mit Marken der sächsischen Wappenausgabe, deren Buchdruck Größere Farbflächen aufweist. Mit Stempeln soll es ebenfalls funktionieren, was aber nicht gezeigt wurde.

Pro Marke war ein überschaubarer Zeitaufwand von 3 Minuten erforderlich.

Unter den untersuchten amerikanischen Marken waren ausserordentlich gute Fälschungen. Sie zeigten ein völlig anderes Stoffspektrum.

Selbst wenn man unterstellt, dass zur Vorführung Marken mit extremen Abweichungen ausgesucht worden sein mögen, liegt auf der Hand, dass es für Fälscher nahezu unmöglich sein dürfte, das exakte Stoffspektrum von Papier und/oder Farbe zu treffen. Das gilt zumindest so lange, wie derartige Geräte nicht wohlfeil und weit verbreitet sind.

Auch Reparaturen mit oberflächlichen Materialergänzungen dürften mit diesem Verfahren erkennbar sein.

Das alles ist zwar nicht neu, sondern längst publiziert. Der vorführende Wissenschaftler ging auch etwas locker über meine Fragen nach des Grenzen des Verfahrens hinweg. Gleichwohl scheint hier eine Möglichkeit zu bestehen, wenigstens bei Stücken, die den Aufwand rechtfertigen, eine vielversprechende zusätzliche Untersuchungsmethode anwenden zu können.

Beste Gruesse

Altsax
31.10.14, 15:20:52

Klesammler

(Mitglied)

Hallo altsax,

dein Erfahrungsbericht ist sehr interessant. Mir ist allerdings schon seit ungefähr 25 oder 30 Jahren bekannt, zu welchen Leistungen Spektralanalyse-Geräte in der Lage sind. Ich hatte damals einen Sport-Kollegen, der bei Spectro in Kleve arbeitete. Diese Firma beschäftigt sich mit der Analyse von Metallen und war wohl Vorreiter, dieses Verfahren wirklich erfolgreich einzusetzen. Mein Kamerad konnte jedenfalls interessante und teils verblüffende Dinge erzählen.
Wenn solche Geräte - in der heutigen Technik - zu einem vertretbaren Preis am Markt sind, sollten Prüf-Verbände oder Prüfer darüber nachdenken, solche Geräte anzuschaffen. Prüfer, die gut miteinander können, könnten solch ein Gerät auch gemeinsam nutzen. Das Menschliche steht aber so einer Nutzung wohl wie so oft im Wege.

viele Grüße

Dieter
31.10.14, 19:05:12

stampsteddy

(Mitglied)

Hallo Jürgen (Altsax),

das hört sich sehr interessant an, hänge ich doch seit zwei Stunden völlig begeistert über einer Marke, die wohl in den 80er-Jahren einen Kuraufenthalt in der Taunusklinik genossen hat. Was kostet ein solches Gerät?

MfG
Markus
31.10.14, 19:09:07

Altsax

(Mitglied)

geändert von: Altsax - 31.10.14, 19:32:31

Hallo Markus,

auf meine diesbezügliche Frage habe ich keine konkrete Antwort bekommen. In einer früheren Publikation war einmal von einem "mittleren sechsstelligen Betrag" die Rede. Wahrscheinlich ist das auch eine Frage der Produktionsauflage, die bei wissenschaftlichen Geräten oft sehr gering ist.

So faszinierend die Ergebnisse auch waren - ich habe immer noch Zweifel, ob sich tatsächlich mit einem solchen Gerät in allen Fällen derart eindeutige Ergebnis erzielen lassen.

Waere das tatsächlich der Fall, müsste das Geld für einen Ankauf seitens des Prueferbundes aufgebracht werden. Eine Amortisierung wäre angesichts der geringen Untersuchungsdauer und der damit gegebenen Möglichkeit eines hohen Durchsatzes in jedem Falle innerhalb kurzer Zeit möglich.

Vielleicht kann ein Kenner etwas über den "Pferdefuss" des Verfahrens sagen.

Beste Gruesse

Juergen
31.10.14, 19:31:45

wuerttemberger

(Mitglied)

Der Begriff Spektralanalyse ist sehr allgemein.
Handelt es sich hierbei um die Röntgenfluoreszenzspektroskopie?

Gruß

wuerttemberger
31.10.14, 19:53:13

Altsax

(Mitglied)

Hallo wuerttemberger,

genau darum handelt es sich offenbar, wie der homepage des Museums zu entnehmen ist. Gesprochen wurde allerdings immer nur von "spektral analysis".

Beste Gruesse

Altsax
31.10.14, 21:49:58

wuerttemberger

(Mitglied)

geändert von: wuerttemberger - 01.11.14, 12:02:40

Hallo Altsax,

diese Methode misst nur die Zusammensetzung der Elemente, die in der Probe vorhanden sind. Wobei man Elemente leichter als Fluor nicht vernünftig detektieren kann und Elemente leichter als Bor sieht man erst gar nicht. Das hat zur Folge, dass man rein organische Farben (C,N,O,H) gar nicht messen kann. Das ist aber auch nicht so tragisch, weil eine quantitaive Auswertung - und das wäre bei organischen Farben zwingend notwendig - bei diesem Verfahren zu ungenau ist.
Im Gegensatz dazu kann man mineralische Farben sehr gut vermessen. Vor allem die qualitative Analyse ist sehr einfach, weil die Linien sehr gut zuzuordnen sind. Auch eine quantitative Auswertung ist möglich.

Diese Methode kann man natürlich auch austricksen, indem man einer organischen Druckfarbe einfach farblose Verbindungen der entsprechenden Metalle beimischt. Das kann man aber durch weitere spektralanalytische Methoden sicherlich erkennen, wenn man danach sucht.

Einen sehr schönen Artikel dazu gibt es von Andreas Burkhardt und Kurt Kimmel im Collectors Club Philatelist, Vol. 87 No. 3, aus dem Jahre 2008, den ich dankenswerterweise einmal von Lars Böttger erhalten habe.
Darin wird die Untersuchung der ersten Bayernmarken und schweizer Strubelis mit dieser Methode beschrieben. Sehr interessant.

Fazit: Es ist eine weitere Methode Druckfarben zu analysieren, aber sie sollte immer in Kombination mit anderen Methoden angewandt werden.

Gruß

wuerttemberger
01.11.14, 07:17:44

heini

(Mitglied)

Zitat von stampsteddy:
Was kostet ein solches Gerät?

MfG
Markus


Warum rufst Du nicht mal hier an..... zwinkern

Gruß Heini ----------- Dumme Fragen gibt es nicht, dumm ist nur, wer nicht fragt. Dumme Antworten gibt es allerdings eine Menge! ;)
01.11.14, 12:21:19

Klesammler

(Mitglied)

Hallo heini,

ich habe auch auf dem Schirm, mal bei Spectro anzurufen. Die beschäftigen sich hauptsächlich mit der Analyse von Metallen. Hier in Uedem gibt es auch eine Firma, die sich mit so etwas befaßt.
http://www.oxford-instruments.de/produkte/spektrometer/roentgenfluoreszenz
Mal sehen, ob ich mich da kundig machen kann, wenn ich ab Mitte nächster Woche wieder beweglicher bin.

viele Grüße

Dieter
01.11.14, 15:19:33
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