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Sperati Fälschungen

Jean de Sperati (* 14. Oktober 1884 in Pisa; † 27. April 1957 in Aix-les-Bains) war einer der berühmtesten Briefmarkenfälscher der Welt. Seine Fälschungen waren so gut, dass selbst Briefmarkenprüfer aus seiner Zeit sie als echt attestierten. Von Beruf war er Drucker und Graveur. Auf Grund seiner herausragenden Fähigkeit das Motiv, das Papier sowie den Druck nachzuahmen gilt er bis heute, als bester Briefmarkenfälscher überhaupt. [mehr bei stampswiki]

Sperati hat in den vielen Jahren seiner Fälschertätigkeit auch immer wieder die gleichen Marken gefälscht. So gibt es von fast jeder Marke unterschiedliche Fälschungstypen der gleichen Marke. Sperati hat immer sorgfältig ein Feld des Bogens als Vorlage genommen und dieses detailgetreu imitiert. Meist entstanden so die Imitationen mehrerer, verschiedener Felder.

Als Sperati 1954 seine Restbestände und Klischees an die British Philatelic Association verkaufte, konnte natürlich nicht jedes Stück dabei sein. Wir wissen nicht, ob er absichtlich einige Stücke zurückhielt oder einfach viele Stücke aus der Vergangenheit bei ihm selbst verloren gegangen waren. So werden immer noch neue Typen von Speratifälschungen entdeckt. Die Briefmarke besteht ja nicht nur aus dem Druckbild, sondern zum Beispiel auch aus dem Papier, dass eben auch Sperati zugeordnet werden kann, statt einem Original.

Anfängerfehler vermeiden!
Hat man ältere Literatur mit Erkennungsmerkmalen der damals bekannten Speratifälschungen, kann man aus dem Fehlen dieser Merkmale nicht schließen, dass es ein Original sein muss oder eben keine Speratifälschung sein könnte.

Was hat es mit den Pünktchen auf sich?
Die Drucke machte Sperati von Klischees. Er benutzte eine Art lichtempfindliche Gelatine. Die belichteten Teile härten dabei aus, die unbelichteten Teile werden im chemischen Bad entfernt, das Klischee zum Abschluss fixiert. Ähnlich wie bei der althergebrachten Fototechnik, kann man in Zwischenschritten retuschieren, Kontaktkopien machen und ähnliches. Techniken dieser Art benutzte Sperati. Durch die Technik und Arbeitsweise, entstanden oft ungewollte Pünktchen, meist an Außenkanten der Zeichnung. Ich will einige davon an Hand eines Beispiels zeigen

Im nachfolgenden Bild ist eine spät entdeckte Type zu sehen. Weil eine früher bekannte Type davon mit Reproduktion "A" bezeichnet ist, heißt diese "Reproduktion B".

Es handelt sich um die Ausgabe von Mecklenburg-Schwerin, erschienen am 1. Juli 1856, 5 Schillinge, blau.

Wichtige Merkmale habe ich mit Pfeilen markiert. Ausgehend von einem schlechten Scan, wähle ich eine Reihenfolge, die nach der praktischen Möglichkeit der Wiedererkennung geht. Der grüne Pfeil zeigt das Hauptmerkmal, eine Delle in der dünnen Linie über dem "M" in FREIMARKE, nach unten. Die Delle neigt sich etwas zur linken Seite des "M". Unter dem rechten Ende des linken Fußes von diesem "M" ist die Linie unter FREIMARKE unterbrochen. Der rote Pfeil zeigt dorthin. Die nächst auffälligen Punkte, sind die beiden Ziffern "5" auf der rechten Seite. Zur oberen "5": die Senkrechte vom Kopf trifft die Biegung nicht an der Vorderkante, sondern etwas rechts davon. Der gelbe Pfeil zeigt dorthin. Zur unteren "5": In der gedachten Mitte der Zeichnung, ist die "5" unterbrochen. Der blaue Pfeil zeigt auf die Stelle.
Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Merkmale, die auf Originalen nicht vorkommen. Ich will davon drei typische Pünktchen zeigen. Die innere Senkrechte links, geht unten einen Punkt über die untere, dünne Waagrechte hinaus. Der ockerfarbene Pfeil zeigt zu dem Punkt.
An der rechten oberen Serife des "K" in MECKLENB. ist auf der linken Kante ein Pünktchen zusätzlich, zum linken Rand hin. Auf dem nachfolgenden "L" sitz so ein Punkt in der Mitte, oben auf dem "L". Die lila Pfeile zeigen dorthin. Das Sperati die Pünktchen mit Absicht angebracht haben könnte, ist mehr als unwahrscheinlich.

Speratifälschung:
Speratifälschung

Zum Vergleich, die obere "5" einer echten Marke. Echte obere 5 mit geradem Strich auf die Vorderkante des Bogens:
Echte obere 5 mit geradem Strich auf die Vorderkante des Bogens
"K" und "L" ohne zusätzliche Punkte an den Serifen:
K und L ohne zusätzliche Punkte

Gibt es gute und schlechte Speratifälschungen?
Einfache Antwort, es gibt eigentlich keine schlechten Speratifälschungen. Es gibt aber Neudrucke von Speratifälschungen. Das mag verblüffend klingen, hat aber eine einfache Ursache. Von den an die B.P.A. verkauften Klischees wurden neue Drucke angefertigt. Diese Drucke wurden lediglich in ähnlicher Druckfarbe ausgeführt und es wurde schneeweißes bis grauweißes Papier verwendet. Diese Drucke sind rückseitig gestempelt mit einem ovalen Stempel
"S P E R A T I  REPRODUCTION". In der Mitte des Stempels steht handschriftlich eine Nummer. Diese Drucke sind oft in grellen Farben ausgeführt und das weiße Papier verstärkt den Eindruck einer schlechten Fälschung.

Signatur auf Sperati Neudruck, auf schlechtem Papier gedruckt:
B.P.A. Signatur

Zum Handelwert von Speratifälschungen

Die meisten modernen Fälschungen sind wertlos oder höchstens pauschal mit ein paar Cents oder einem Euro zu bewerten. Eine Speratifälschung hat einen ungefähren Wert von 50,- bis 250,- Euro.

Sperati Falschstempel auf Mecklenburg-Schwerin

Bekannte Falschstempel (in schwarz und blau bekannt) sind:

(C) 2007 Jürgen Kraft, Teneriffa

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