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Briefmarken waschen und trocknen

Briefmarken richtig waschen. Warum überhaupt waschen?

Verfalzte Marken, oder solche mit Papierresten, machen eine Qualitätskontrolle unmöglich Viele Prüfer bestehen bei lose, gestempelt, auf gewaschenen Marken

Warum ein Ratgeber dafür?

Viele von Laien gewaschene Briefmarken sind nicht glatt, sondern wellig Durch unsachgemäßes Waschen und Trocknen, werden Werte zerstört

Warnhinweis:

Sie brauchen einige Gefäße zum Waschen. Suppenteller, Kompottschalen oder ähnliches sind gut geeignet. Einen mit warmem Wasser. Einen weiteren mit klarem, kaltem Wasser zum Nachspülen. Sind die Marken stark verfalzt, legen Sie die Marken nach dem Wegschwimmen der Falze, in einen weiteren Teller, mit frischem Wasser. Jeweils zwischen 15 und 20 Minuten so gewässert, sollten alle Fremdköper von der Marke ab sein.

Vorsicht bei zähem Gummi. Beim Abrubbeln könnten Sie Papiermasse beschädigen. In dem Fall, lieber den Gummi dranlassen. Näheres weiter unten. Sind die Marken sauber, noch einige Minuten in kaltem Wasser liegen lassen und dann trocknen.

Sind Marken stark verschmutzt und auch in lauwarmem Wasser nicht von selbst sauber, kann man bei billigen Marken, minimal Spülmittel zum Wasser geben. Auch einige Gummisorten lösen sich so besser. Geht es nicht nur um gestempelte Massenware, sollten Sie vorher testen, ob das Spülmittel die Farben von Druck und Papier unter der UV-Lampe verändert. Nehmen Sie kein "handfreundliches" Spülmittel. Cremes, Parfüm und andere Zusätze wären schädlich. Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit dem gelben und dem blauen Fairy Ultra. Das Gelbe wird als besonders fettlösend beworben, das Blaue als antibakteriell. Letzteres nehme ich, wenn das Papier schon moderig riecht. An später klargespülten und getrockneten Marken, konnte ich die Benutzung von diesen Spülmitteln nicht nachweisen. Die Spülmittel sind auf die Ländermärkte abgestimmt. Ich habe die Mittel auf den Kanaren gekauft. Möglicherweise ist das gleiche Mittel in Deutschland parfümiert. Also erst Testen und riechen, dann waschen. Spülmittel eben auch nur dann, wenn es anders nicht geht. Vorsicht, es gibt Haushaltsreiniger die Chlor enthalten. Zum Beispiel wird sich in Domestos, Papier kurzfristig auflösen.

Zerknülltes Papier

Zerknüllte Paketkartenkiloware, für mich als Stempelsammler völlig OK, aber erst nach dem waschen!

VorwaschgangHauptwaschgang

Im warmen Fairy Ultra Bad schwimmen die Paketkartenreste weg und das Papier entspannt sich.

Nach dem Bügeln

Nach dem richtigen Trocknen ist die Marke völlig glatt. Man sieht natürlich die Bugspuren, aber für den Stempelsammler ist das akzeptabel. Nach dem Trocknen, hier Knick unten links noch sichtbar, oben ein Riß und seltenerer Stempel LANDAU (ISAR) steht als Vergleichsstück zur Verfügung.

Zum Trocknen empfehle ich ein Trockenbuch oder eine Trockenpresse. Um das Löschpapier weniger zu beanspruchen kann man die nassen Marken mit Toilettenpapier oder Küchenpapier abtupfen. Erst wenn die Marken so vorgetrocknet sind, Trockenbuch oder Presse schließen. Es geht auch noch billiger. Etwas dickere, feste Plastikfolie (Overheadfolie geht prima, glatte Seite nach oben), gut gesäubert und fettfrei, wird in die Mitte eines Telefonbuches gelegt. Dann die Marke mit der ehemaligen Gummiseite, auf die Plastikfolie. Dann die Marke mit Küchenpapier bedecken und vorsichtig zum Abtrocknen darauf drücken. Ist das Wasser von der Oberfläche weg, zum Schutz ein sauberes Blatt normales Schreibmaschinenpapier auf die Marke legen, dann das Telefonbuch schließen. Das Ganze etwas beschweren, einfach weitere Bücher oben drauf legen. Nach ca. 5 Minuten die Marke ansehen. Wenn möglich, auf eine noch trockne Stelle legen, also einfach ein paar Zentimeter weiter legen. Klebt die Marke an der Folie fest, Folie biegen. Läßt sich die Marke nicht mehr lösen, einfach fertig trocknen, später aus der Folie schneiden und von vorne mit dem Wässern beginnen. Geht die Marke ab, eben umlegen und wieder pressen. Dann nach ca. 10 Minuten wieder umlegen. Danach nochmal nach einer Stunde. Hat man immer wieder völlig trockene Stellen belegt, scheint die Marke bereits völlig trocken. Sie ist es aber nicht. Für Ungläubige: Marke einfach auf den Tisch legen. Nach einer Stunde liegt sie verbollert da. Für Brutale: heiß föhnen, dann ist sie gleich hin. Deshalb, wenn die Marke völlig trocken erscheint, nochmals über Nacht, auf trocknen Seiten pressen. Dazu die Folie weglassen. Die soll nur das Ankleben an möglichem Restgummi verhindern. Warum das Umlegen? Erstens trocknet die Marke so sehr viel schneller, zweitens bilden sich bei nassen Marken, die an einer Stelle liegen bleiben, oft häßliche Wellen, die dann mit Eintrocknen. Danach haben Sie Wellblech, aber keine schöne, glatte Briefmarke.

Die fertigen Trockenpressen und Trockenbücher aus dem Fachhandel sind mit Löschpapier bestückt, dass den Marken nicht schadet. Frisch gedruckte Bücher könnten Druckerschwärze auf die Marken übertragen, grellweiße Papiere zum Trocknen auf die Marken gelegt, könnten Chemikalien auf die Briefmarken übertragen. Versuchen Sie einfach billiges Ökopapier (darf nicht zu sehr fusseln) und nicht hochweiße Sorten SM-Papier. Testen Sie mit der UV-Lampe, ob sich etwas auf die nassen Marken überträgt.

Sonderbehandlung für geprägte Marken. Normales pressen schädigt die Prägung. Schneiden Sie also aus dickerem Papier ein Loch in Größe der Prägung aus. Legen Sie diese Schablone immer mit dem Loch über die Prägung der Briefmarke beim Trockenvorgang. So wird diese nicht so platt gedrückt. Ist die Schablone dick genug, kann die Prägung ganz ohne Druck trocknen. Lassen Sie solche Marken auch einmal zwei oder drei Tage trocknen. Nicht zuviel Gewicht! Behutsames trocknen schont die Marken und die Prägung. Nicht vollständig trockene Marken neigen dazu, sich häßlich zu verbiegen. Zur Endtrocknung eignen sich besonders Bücher mit dickeren Seiten und nicht so glattem Papier.

Sonderbehandlung für Marken mit praktisch unlösbarem Gummi. Zum Beispiel altdeutsche Marken aus Hannover. Reinigen Sie diese wie oben beschrieben. Versuchen sie nicht den Gummi von der Marke zu entfernen. Schieben Sie Papierreste vorsichtig, ohne Druck von der Marke. Der Gummi bleibt klebrig auf der Briefmarke. Trocknen Sie auf Folie mit Küchenrolle vor. Nach jeweils nur sehr kurzer Zeit, ca. 30 Sekunden, legen Sie die Marke um. Lassen Sie die Marken jeweils dazwischen einige Sekunden mit der Gummiseite an der Luft. So trocknet der Gummi langsam aus, ohne das die Marke sich verbiegt. Ist der Gummi nicht mehr klebrig, können Sie normal fortfahren. Klebt die Marke fest, immer samt Folie mit warmen Wasser neu ablösen. Nie die Marke mit Gewalt abziehen. Haben Sie etwas Erfahrung, können Sie auch nach kurzer Zeit die Gummiseite mit Papier abtupfen. Bleibt das Papier wirklich dabei einmal kleben, kein Problem, einfach neu ablösen. Keine Gewalt anweden.

Schwimmt die Marke beim Wässern in Einzelteilen davon, hatten Sie ein altrepariertes Stück gewässert. Pech gehabt, mein Beileid.

Altsignaturen: Einige Altsignaturen verschwinden im Wasserbad. Zum Beispiel W. ENGEL in orangerot. Legen Sie Wert auf die Signatur, bitte nicht wässern. Schwarze Signaturen sind in der Regel nicht betroffen. BPP Signaturen sind in der Regel nicht betroffen. Ausnahme: M. SOMMER BPP und SOMMER BPP. Bläuliche oder grünliche Signaturen lösen sich im Wasser teilweise und dringen auf die Bildseite durch. Also: SOMMER BPP nicht waschen. Mit Kopierstift bemalte Marken aus dem gleichen Grund nicht waschen.

Elektrisch beheizte Trockenpressen, z. B. aus dem Fotolabor, sollten auf keinen Fall benutzt werden. Ebensowenig Bügeleisen und ähnliches. Sie würden der Papierstruktur Veränderungen zufügen, die einen Mangel darstellen würden.

Haben Sie Fragen, schreiben Sie mir. Habe ich Antworten auf neue Fragen in Bezug auf Waschen und Trocknen, werde ich diese hier ergänzen.

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